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ELVIS-BIOGRAFIE

Über Jahrzehnte hinweg hat es unzählige Versuche gegeben, das Leben und die Karriere des King of Entertainment, Elvis Presley in Biografien darzustellen. Leider können nur sehr wenige dieser Versuche als gelungen und als würdig angesehen werden. Erschreckend oft erwiesen sich Elvis-Biografien – ganz gleich ob als Film, als Buch, als Zeitungsartikel oder als Internetbericht – als schlecht recherchiert und oberflächlich. Vielfach enthielten sie zahlreiche sachliche Fehler und krasse Verzerrungen bis hin zu schlagzeilenträchtigen, faustdicken Unwahrheiten. Und nicht selten schrieb dabei ein Autor schlicht und einfach von einem anderen Autor denselben Unsinn ab, den dieser seinerseits schon von einem wieder anderen Autor übernommen hatte…

Die nachfolgende Biografie soll und kann nicht derart detailliert und tiefgehend Elvis’ Weg beschreiben, wie man dies von einem gut recherchierten 300-Seiten-Buch erwarten darf. Aber sie soll auf historisch fundierte, niveauvolle und würdige Art und Weise einen Überblick verschaffen über das Leben und Wirken Elvis Presleys und dabei das in den Mittelpunkt stellen, was in den Mittelpunkt einer Review über einen Künstler gehört: Die Kunst und die Karrierestationen dieses Künstlers!

Elvis 1935-1977


Leben, Karriere und Musik des Elvis Aaron Presley
Er begeisterte Millionen Menschen in aller Welt. Er unterhielt seine Fans mit Platten, Konzerten und Filmen. Er revolutionierte das Show-Business und gewann dessen höchste Auszeichnungen. Er verkaufte mehr Tonträger als jeder andere Künstler und hält bis heute zahlreiche Rekorde. Elvis Presley ist Vorbild, Mythos, Legende und Kult. Dies ist seine Geschichte…

1935 bis 1952
Am 8. Januar 1935 wird Elvis Aaron Presley als Sohn des Hilfsarbeiters Vernon Elvis Presley (geb. 10. April 1916) und der Näherin Gladys Love Presley (geb. Smith, 25. April 1912) in einem 2-ZimmerHolzhaus in der Kleinstadt Tupelo/Mississippi geboren. Er ist einer von zwei Zwillingen; sein Bruder Jesse Garon kommt tot zur Welt und wird am nächsten Tag in einem namenlosen Grab auf dem Priceville-Friedhof beerdigt. Elvis wächst in äußerst ärmlichen Verhältnissen auf, wird zugleich aber von seiner Mutter, die nach der schweren Geburt keine Kinder mehr bekommen kann, liebevoll behütet und gewissenhaft erzogen.
1941 wird Elvis in die East Tupelo Consolidated School eingeschult. Am 3. Oktober 1945 erregt er erstmals musikalisch Aufsehen, als er bei der „Mississippi-Alabama Fair And Dairy Show“ in seiner Geburtsstadt Tupelo im Rahmen eines Kinder-Talentwettbewerbs die Ballade „Old Shep“ vorträgt und den 5. Platz belegt. Wenig später erhält Elvis zu seinem 11. Geburtstag am 8. Januar 1946 von seiner Mutter seine erste Gitarre geschenkt, gekauft im Tupelo Hardware Store. Es sind die ganz natürlichen musikalischen Einflüsse seiner Umgebung, die auf den jungen Elvis wirken: Er saugt die Country-Musik der weißen Unter- und Mittelschicht ebenso in sich auf wie den Blues der verarmten unterdrückten schwarzen Landbevölkerung. Und er bekommt die Gospels und Spirituals, die er mit seinen streng gläubigen Eltern in der Kirche hört und alsbald selbst singt, eingeflösst wie Muttermilch. Im November 1948 zieht die kleine Presley-Familie in der Hoffnung auf bessere Zeiten in die zwei Autostunden entfernte Großstadt Memphis/Tennessee. Dort besucht Elvis die L. C. Humes High School.

Elvis mit Eltern

Elvis mit Mutter


1953
In Memphis geht es den Presleys etwas besser als in Tupelo, aber es geht ihnen auch nicht wirklich gut. Nach seinem Schulabschluss am 3. Juni 1953 bekommt Elvis einen Job bei der Firma M. B. Parker Machinists’ Shop. Später arbeitet er als Lieferfahrer bei der Crown Electric Company. Gelegentlich singt er bei Partys und Schulfesten, bis er das Aufnahmestudio Memphis Recording Service von Sam Phillips entdeckt. Dort kann jedermann für 3 Dollar eine eigene Platte aufnehmen und gleich mit nach Hause nehmen. Elvis nutzt das Angebot und nimmt an einem Samstag noch im Juni 1953 die Balladen „My Happiness“ und „That’s When Your Heartaches Begin“ auf – nicht etwa um die Platte seiner Mutter zum Geburtstag zu schenken (wie die Legende immer wieder behauptet), sondern um sich selbst einmal auf Platte zu hören und um auf sich aufmerksam zu machen. Der Sekretärin Marion Keisker sagt er: „Ich klinge wie sonst niemand.“ Keisker gefällt der gefühlvolle, ungeschliffene Gesangsstil und das simple aber effektive Gitarrenspiel des Jungen mit den Koteletten, dessen Telefonnummer sie sich notiert – ein Achtungserfolg, auf den aber zunächst nichts weiter passiert. Die Platte mit den Privataufnahmen verbleibt indessen zunächst im Presley-Haushalt, geht später verloren und taucht erst 1990 wie durch ein Wunder wieder auf.

Elvis als Jugendlicher




1954
Nachdem sich Sun Records, die an den Memphis Recording Service angeschlossene Plattenfirma von Sam Phillips, nicht gemeldet hat, taucht Elvis am 4. Januar 1954 wieder im Studio auf, um erneut auf eigene Kosten eine Platte zu besingen. Diesmal nimmt er „I’ll Never Stand In Your Way“ und „It Wouldn’t Be The Same Without You“ auf. Sam Phillips ist diesmal selbst anwesend und verspricht, sich mal zu melden. Doch das lässt bis Juni auf sich warten. Dann erst holt Phillips den jetzt 19-jährigen Elvis ins Studio, um ihn den Song „Without You“ singen zu lassen. Das Ergebnis reißt den Sun Records-Chef nicht vom Hocker, doch er stellt Elvis dem viel versprechenden jungen Gitarristen Scotty Moore vor, der unter Mitwirkung des Bassisten Bill Black mit ihm etliche Songs probt. Und am Abend des 5. Juli 1954 ist es soweit: Im Sun-Studio findet mit den drei Talenten die erste richtige Session statt. Die ersten Titel sind wieder Balladen, die nicht so recht faszinieren wollen… bis Elvis plötzlich mit „That’s All Right“, einem schnellen Blues des Schwarzen Arthur Crudup aus dem Jahr 1946, loslegt. Scotty und Bill steigen mit ein, und Sam Phillips scheint wie vom Blitz getroffen: Die Aufnahme vermischt das satte alte Blues-Feeling des Originals mit Elementen der Country-Musik. Ein neuer Sound ist geboren, ein neuer Stil ist gefunden. Und Sam Phillips hat das, was er lange gesucht hat: Einen weißen Sänger mit dem Feeling und der Stimme eines Schwarzen.
In den folgenden Wochen und Monaten läuft Elvis Presleys Karriere an. Am 19. Juli 1954 bringt Sun Records „That’s All Right“ mit „Blue Moon Of Kentucky“ auf der B-Seite als erste offizielle Elvis Presley-Platte heraus. Der progressive Discjockey Dewey Phillips spielt im Rahmen seiner Sendung „Red, Hot And Blue“ die Scheibe als erster, andere DJs folgen seinem Beispiel und machen „That’s All Right“ zu einem richtigen kleinen Hit in und um Tennessee. Erste professionelle Auftritte des Newcomers mit Scotty Moore und Bill Black folgen noch im Juli, unter anderem im Overton Park Shell, einer Freilichtbühne in Memphis, wo Elvis sich erstmals wild und ungestüm zu seinen schnellen Titeln bewegt und damit seinen frühen Auftrittsstil findet.
Scotty Moore managt in dieser Anfangsphase den jungen Elvis so gut er kann und bucht mehr und mehr Auftritte, die bald auch nach Texas, Louisiana und Arkansas führen. Im September 1954 erscheint „Good Rockin’ Tonight“, eine für die Zeit atemberaubende Rockabilly-Nummer, als zweite Single bei Sun Records. Und am 16. Oktober hat Elvis seine Premiere in der populären „Louisiana Hayride Show“, einer Radio-Show, die jeden Samstag live aus Shreveport/Louisiana gesendet wird. Ab November darf Elvis mit Scotty und Bill jedes Wochenende in dieser Sendung auftreten, was eine prima Promotion für den aufstrebenden Sänger ist.


Elvis 1954

Elvis mit Sam Phillips und Bob Neal







1955
Am 1. Januar übernimmt der Discjockey Bob Neal das Management von Elvis, worüber der bereits überlastete Scotty Moore nicht unglücklich ist. Fast das ganze Jahr über ist Elvis mit seiner kleinen Band, zu der alsbald noch der Schlagzeuger D. J. Fontana stößt, auf Tournee. Die Truppe spielt hauptsächlich überall in den Südstaaten, und Elvis lockt immer größere Zuschauermengen an. Sun Records veröffentlicht weitere Singles, von denen sich vor allem „Baby Let’s Play House“ und „Mystery Train“ gut verkaufen und auch oft im Radio gespielt werden. Elvis ist auf dem Vormarsch und erkämpft sich Landstrich für Landstrich sein Publikum. Das bleibt natürlich auch den Großen des Business nicht verborgen, und so gewinnt ab Mai 1955 ein gewisser Thomas Andrew Parker, der ehrenhalber den Titel ‚Colonel’ trägt, Einfluss auf Elvis’ noch junge Karriere. Tom Parker, ein niederländischer Einwanderer (geb. 26. Juni 1909 in Breda als Andreas van Kuijk), hat glänzende Kontakte und als Manager der Country-Stars Eddy Arnold und Hank Snow einen guten Namen. Parker bucht ab Frühsommer immer mehr Auftritte für Elvis und übernimmt schließlich ab November 1955 allein dessen Management. Wissend, dass man als Sänger nur mit einer großen Plattenfirma im Rücken wirklich etwas werden kann, betreibt Parker Elvis’ Weggang von Sun und bringt ihn noch im gleichen Monat beim Branchenführer RCA-Victor in New York unter.


Elvis 1955

1956
Das erste ganz große Elvis-Jahr! Am 10. und 11. Januar 1956 findet in Nashville die erste Session für RCA statt, die Ende des Monats fortgesetzt wird und Klassiker wie „Heartbreak Hotel“, „Blue Suede Shoes“ und „I Got A Woman“ hervorbringt. Elvis kann seine Sun-Musiker behalten, nimmt aber mit dem Pianisten Floyd Cramer und dem Background-Chor The Jordanaires erfahrenes Session-Personal hinzu. Vor allem die Jordanaires prägen Elvis’ Sound während der nächsten 12 Jahre nachhaltig. „Heartbreak Hotel“ wird noch im Januar als erste Elvis-Single bei RCA veröffentlicht; überraschender Weise ist es nicht wirklich ein Rock’n’Roll-Song, eher ein Blues. Und am 28. Januar 1956 erfolgt der Durchbruch: In der „Dorsey Brothers Stage Show“ hat Elvis seinen ersten Fernsehauftritt. Bis Ende März folgen fünf weitere, die Tom Parker mit den Dorseys vereinbart hat. Elvis Presley wird der gesamten Nation bekannt und „Heartbreak Hotel“ nach schleppendem Start sein erster Nummer 1-Hit mit Millionenverkäufen.
Die Sache nimmt nun rasendes Tempo an. Im März erscheint die erste LP „Elvis Presley“ und wird ebenfalls ein Millionenseller, gefolgt von der zweiten Single „I Want You, I Need You, I Love You“, die Platz 1 in der Hitparade nur knapp verfehlt. In der „Milton Berle Show“ (3. April und 5. Juni) und in der „Steve Allen Show“ (1. Juli) hat Elvis weitere Fernsehauftritte. Diese sind so spektakulär, dass sie ihn und seine Platten enorm promoten. Zwischen den Sessions und den Fernsehauftritten ist Elvis fast ununterbrochen in den gesamten USA auf Tournee. Es spielen sich Szenen hysterischer Begeisterung unter dem Teenager-Publikum ab, doch zugleich beginnt das spießige Establishment der Eltern, Kirchenvertreter und Politiker, prüde und entrüstet auf die Barrikaden zu gehen. Elvis’ Auftritts- und Gesangsstil sei obszön und werde die Jugend verderben…
Doch der ‚Unhold’, der nie ein Rebell sein wollte, ist nicht zu stoppen, ebenso wenig wie der Fanatismus der Fans. Die Single „Hound Dog“/„Don’t Be Cruel“ wird im Sommer zum Mega-Hit und verkauft sich sieben Millionen Mal. Allmählich wird man auch in Europa auf Elvis aufmerksam, und außerdem ruft schon Hollywood. Im September 1956 entsteht bei 20th Century Fox unter der Regie von Robert Webb Elvis’ erster Spielfilm, ein Western ohne Rock’n’Roll aber mit der schlichten Ballade „Love Me Tender“ als Titelsong, der der nächste Riesenhit wird. Und schließlich kommt auch Elvis-Gegner Ed Sullivan nicht mehr umhin, den gerade zum King of Rock’n’Roll aufgestiegenen Sänger für seine populäre Fernsehsendung zu buchen. Die beiden Auftritte in der „Ed Sullivan Show“ am 9. September und 28. Oktober 1956 sorgen für Rekord-Einschaltquoten und etablieren Elvis endgültig zum neuen absoluten Nummer 1-Star des Show-Business.
Zu den herausragenden Charakterzügen von Elvis gehört, dass er sich und seine Verhaltensweise Menschen gegenüber trotz des gewaltigen Erfolges nie wesentlich verändert. Elvis bleibt bescheiden und freundlich vor allem gegenüber seinen Fans und vergisst nie, wo er hergekommen ist. Neu ist allenfalls seine ausgeprägte Großzügigkeit, jetzt wo er sich eine solche leisten kann. Diese Großzügigkeit zeigt sich sowohl in zahllosen Geschenken an Freunde und Bekannte als auch in Wohltätigkeitskonzerten wie am 26. September 1956, als Elvis in seine Geburtsstadt Tupelo zurückkehrt und die Gage für seine beiden triumphalen Open Air-Konzerte im Rahmen der „Mississippi-Alabama Fair And Dairy Show“ der Stadt spendet.

Elvis 1956

Elvis 1956 in Milton Berle Show

Elvis 1956 in Tupelo


1957
Ohne Pause geht es weiter. Am 6. Januar 1957 absolviert Elvis seinen dritten und letzten Auftritt in der „Ed Sullivan Show“ …und wird nur von der Hüfte an aufwärts gefilmt, weil der Sender CBS wegen Elvis’ ‚obszöner’ Bewegungen fürchtet, einen Proteststurm seiner erwachsenen Stammzuseher zu ernten. Im Vergleich zu 1955 und 1956 fährt Manager Parker das Tourneeprogramm 1957 deutlich herunter, doch Elvis löst mit den noch stattfindenden Konzerten noch immer weiter steigende Massenhysterie aus. Das gilt auch für Kanada, wo Elvis im April 1957 erstmals auftritt, zunächst in Ottawa und Toronto, wo je 2 Konzerte stattfinden. Später im Jahr kommt Elvis dann noch nach Vancouver, wo er am 31. August 1957 das mit fast 30 000 Zuschauern (!) besetzte Empire Stadium in einen Hexenkessel verwandelt.
Gegenüber den Live-Shows gewinnt die Filmarbeit schon in diesem Jahr an Bedeutung. 1957 entstehen zwei weitere Kinofilme mit Elvis, „Loving You“ bei Paramount und „Jailhouse Rock“ bei Metro-Goldwyn-Mayer (MGM). Im Gegensatz zu „Love Me Tender“ kann Elvis in beiden Filmen sich selbst spielen: einen jungen, aufstrebenden Rock’n’Roll-Star, der manchmal etwas ruppig aber immer ehrlich seinen Weg geht. In beiden Streifen zeigt Elvis engagiert und motiviert, dass er schauspielerisches Talent besitzt. Die Filme gehen um die Welt und treiben das Elvis-Fieber in alle Erdteile. Die Soundtrack-Alben sind Rock’n’Roll pur und verkaufen sich sensationell, ebenso wie die Singles des Jahres: Mit „Too Much“, „All Shook Up“, „Teddy Bear“, „Jailhouse Rock“ und „Don’t“ landet Elvis fünf Nummer 1-Hits hintereinander.
Doch Elvis ist mehr als nur der König des Rock’n’Roll, der mit gelegentlich eingestreuten Balladen den Teenie-Mädchen verbotene Träume beschert. 1957 zeigt der neue Champion der Pop-Musik bereits seine enorme musikalische Bandbreite, indem er mit der EP „Peace In The Valley“ erstmals seiner Gospel-Leidenschaft frönt und mit der LP „Elvis’ Christmas Album“ seine erste Weihnachtsplatte herausbringt. Das Fest verbringt Elvis erstmals in Graceland, seiner Traumvilla, die er im März als neues Zuhause gekauft hat.

Elvis in Graceland

Elvis in Jailhouse Rock


1958
Auf dem ersten Höhepunkt seiner Popularität droht dem King Unheil: Die US-Armee hat Elvis gemustert und beabsichtigt, ihn zum Wehrdienst einzuziehen. Elvis erwirkt einen Aufschub und schafft es gerade noch, bei Paramount seinen vierten Spielfilm fertig zu stellen: „King Creole“ wird ein Meisterwerk und gilt als bester Elvis-Film überhaupt. Elvis zeigt unter der Regie des Top-Regisseurs Michael Curtiz, der 1943 schon „Casablanca“ mit Humphrey Bogart inszeniert hat, eine hervorragende Leistung. Mit Walter Matthau spielt ein weiterer echter Star an Elvis’ Seite, und der fantastische Soundtrack, der vor der Kulisse von New Orleans Elemente von Rock’n’Roll, Blues und Dixieland kühn miteinander verknüpft, tut ein Übriges. „King Creole“ kommt im Juni 1958 in die Kinos und begeistert nicht nur die Fans sondern auch die Kritiker.
Für Elvis selbst ist der ganze Zauber inzwischen schon vorbei. Am 24. März bereits ist er zur Armee eingerückt und absolviert in Fort Hood/Texas seine Grundausbildung. Im Juni nimmt er während eines kurzen Urlaubs in Nashville noch einige neue Songs auf. Produzent Steve Sholes hat hierfür Elvis’ Stammband mit ein paar weiteren Top-Musikern ergänzt; Hank Garland glänzt an der Gitarre, Buddy Harman trommelt als zweiter Schlagzeuger, und Bob Moore ersetzt Bill Black am Bass. Das Ergebnis ist qualitativ großartig, quantitativ jedoch unbefriedigend, da nur 5 Songs entstehen.
Dann ereilt Elvis der wohl schlimmste Schicksalsschlag seines Lebens. Am 14. August 1958 stirbt seine über alles geliebte Mutter Gladys an Herzversagen; die 46-Jährige hat schon den irren Rummel um ihren Jungen während der vorherigen drei Jahre kaum verkraftet. Jetzt noch die Army; Gladys ist krank vor Sorge, offenbar kommen noch Alkohol und Medikamente hinzu, das ist zuviel. Elvis weint bitterliche Tränen, doch viel Zeit zum Trauern bleibt nicht…
Im September 1958 werden Elvis’ amerikanische Fans, die schon über die Armee bedingte Karriereunterbrechung entsetzt sind, vollends geschockt: Elvis wird zur 3. US-Panzerdivision nach Deutschland versetzt. Am 22. September geht Elvis in New York nach einer letzten Serie von gefilmten Pressekonferenzen und Interviews, die unter dem Begriff „Elvis Sails“ vermarktet werden, an Bord des Truppentransporters „General Randall“ und reist mit Hunderten anderer US-Soldaten nach Deutschland. Am 1. Oktober kommt er an der Kolumbuskaje in Bremerhaven an, wird von den deutschen Fans stürmisch begrüßt und fährt per Zug weiter zu seiner Einheit nach Friedberg in Hessen. Elvis wohnt nicht in der Kaserne, den Ray Barracks, sondern im benachbarten Bad Nauheim, wo er anfangs im Hotel schläft – die meiste Zeit über im Grunewald – ehe er im Frühjahr 1959 ein Haus in der Bad Nauheimer Goethestraße 14 für sich und seine Begleitung mietet, die aus Vater Vernon, Großmutter Minnie Mae und den Leibwächtern Red West und Lamar Fike besteht. Als Soldat nimmt er trotz seines Star-Status fast keine Sonderrechte in Anspruch und schlägt sich als ganz normaler ‚G.I.’ sehr passabel.

Elvis in King Creole

Elvis als Soldat

Elvis Bremerhaven 1.10.1958
1959
Das gesamte Jahr verbringt Elvis als US-Soldat in Deutschland. Währenddessen liegt seine Karriere praktisch auf Eis, und RCA und ‚Colonel’ Parker haben Probleme, ihn im Business zu halten, da nicht wirklich viele unveröffentlichte Songs im Archiv liegen. Übers Jahr verteilt erscheinen so nur die Singles „A Fool Such As I“ und „A Big Hunk O’ Love“, die beide Top-Hits werden, sowie einige Hitzusammenstellungen auf EP und LP. Elvis selbst ist geplagt von Heimweh und von Sorge um seine Karriere, nutzt seinen Deutschland-Aufenthalt aber zu engen Kontakten mit den ihn stets belagernden europäischen Fans und zu zwei Reisen nach Paris in Frankreich.
Das bedeutendste Ereignis des Jahres ist so fast schon die Begegnung mit der 14-jährigen Luftwaffenoffiziers-Tochter Priscilla Beaulieu am Sonntag, dem 13. September 1959. Elvis hat anscheinend sofort einen Narren an dem hübschen, sehr natürlich wirkenden Schulmädchen gefressen, und so bahnt sich zwischen beiden langsam und vorsichtig eine Beziehung an.


Elvis in Bad Nauheim


1960
Am 2. März kehrt Sergeant Elvis Presley vom Luftwaffenstützpunkt Frankfurt/Main aus mit einer 4-motorigen Transportmaschine in die USA zurück. Ein einstündiger Zwischenstopp auf dem Militärflughafen Prestwick in Schottland ist Elvis’ erster und einziger Aufenthalt in Großbritannien. Am 5. März 1960 wird Elvis aus der US-Army offiziell entlassen und kehrt von Fort Dix/New Jersey per Zug nach Memphis und Graceland zurück, wo er am 7. März 1960 in einer Pressekonferenz seine Zukunftspläne verkündet und die Beziehung mit Priscilla zwar nicht verschweigt aber herunter spielt.
Kurz darauf gehen Elvis und Tom Parker daran, das Comeback zu starten. Das Wichtigste ist das Aufnehmen neuer Songs, und so entstehen im März/April 1960 insgesamt 18 brandneue Titel, darunter die Songs „Stuck On You“ (eine Rock’n’Roll-Nummer im Stil von „All Shook Up“), „It’s Now Or Never“ (eine englischsprachige Adaption des italienischen Klassikers „O Sole Mio“) und „Are You Lonesome Tonight?“ (eine Herz zerreißende Ballade), die nacheinander als Singles veröffentlicht werden und mit millionenfachen Verkäufen Elvis zurück auf Platz 1 der Hitparaden bringen. „It’s Now Or Never“ übertrifft mit insgesamt 21 Millionen verkaufter Einheiten sogar „Hound Dog“ und wird zur erfolgreichsten Elvis-Single überhaupt. Das Lied zeigt zudem Elvis als stimmlich weiterentwickelten Troubadour a la Mario Lanza. Demgegenüber ist die im April 1960 veröffentlichte LP „Elvis Is Back!“ derart mit rauem Blues gespickt, dass man merkt, Elvis hat seine Vielseitigkeit nicht nur nicht verloren sondern sogar noch erweitert.
Am 12. Mai 1960 ist Elvis erstmals auch wieder live auf der Bühne zu sehen. An diesem Tag sendet ABC die Fernsehshow „Welcome Home, Elvis“ (eigentlich die „Frank Sinatra Timex TV-Show“), die bereits am 26. März in Miami aufgezeichnet worden ist. Elvis präsentiert die beiden Songs der „Stuck On You“-Single und wirkt bei einem Duett mit Gastgeber Frank Sinatra wie ein Wolf neben einem alternden Schaf.
Das Comeback wird gekrönt durch zwei Filme, die noch 1960 in die Kinos kommen: In „G.I. Blues“ spielt Elvis einen in Deutschland stationierten US-Soldaten (wie überraschend!). Tom Parkers cleverer Schachzug, den Wehrdienst seines Schützlings in einem werbewirksamen Hollywood-Film zu verbraten, führt zu einem neuen Riesen-Erfolg. Der Film spielt Millionen ein, und die Soundtrack-LP (u. a. mit einer Version des deutschen Volksliedes „Muss i denn…“) wird zu einem der erfolgreichsten Elvis-Alben. Demgegenüber schneidet der Western „Flaming Star“ nicht so gut ab, da Elvis darin nur 2 Lieder singt. Die dramatische Rolle des Halbbluts Pacer Burton unter der Regie des Western-Spezialisten Don Siegel zeigt aber noch einmal, was Elvis als Schauspieler zu leisten imstande ist, wenn man ihn denn lässt…

Elvis 1960 zurück in Memphis

Elvis mit Frank Sinatra

Elvis in G.I. Blues
1961
Am 25. Februar gibt Elvis 2 Wohltätigkeitskonzerte im Ellis Auditorium in Memphis und am 25. März ein Benefiz-Konzert in der Bloch Arena in Pearl Harbor/Hawaii zugunsten des „U.S.S. Arizona Memorial“. Es sind die letzten Live-Auftritte bis 1968/69. Manager Parker will die Show-Tingelei beenden und den durch den Armeedienst erfolgten Imagewandel seines Schützlings vom (vermeintlichen) Rock-Rebellen zum ‚All American Boy’ weiter etablieren. Elvis wird zum sauberen Star für die ganze Familie und landet mit dem Schlager „Surrender“, einem weiteren ursprünglich italienischen Titel, prompt den nächsten Nummer 1-Hit.
Nach „Wild In The Country“, in dem Elvis letztmalig für viele Jahre eine ernsthafte Rolle spielt, folgt mit dem Film „Blue Hawaii“ eine sirupsüße Kitsch-Komödie – allerdings eine gekonnte! Ein fast pausenlos singender Elvis vor der Traumkulisse von Hawaii, ein paar hübsche und natürlich ganz anständige Bikinimädchen und ein genialer Soundtrack, in dem Elvis auf wieder kühne Art und Weise Rock und Pop mit diesmal hawaiianischen Klängen mixt, ergeben eine Mischung, die fast alles toppt. Der von Hal Wallis produzierte und von Norman Taurog inszenierte Streifen wird zum erfolgreichsten Elvis-Film überhaupt, die Soundtrack-LP zu einem seiner meist verkauften Alben und die Single „Can’t Help Falling In Love“ zu einem weiteren Welt-Hit.


Elvis 1961 Live in Hawaii

Elvis mit Tom Parker
1962
Die Elvis-Maschinerie, so wie Tom Parker sie am meisten schätzt, läuft wie geschmiert. Drei weitere unkomplizierte, aber gut gemachte Unterhaltungsfilme kommen in die Kinos und lassen die Kasse klingeln: Auf „Follow That Dream“ folgt der Boxerfilm „Kid Galahad“, in dem auch die Schläge der Fight-Gegner 6 flotte Songs nicht verhindern können, ehe mit „Girls! Girls! Girls!“ fast eine Kopie von „Blue Hawaii“ in die Kinos kommt. Die Soundtrack-Alben auf EP bzw. LP verkaufen sich wie geschnittenes Brot, und auch die Singles brennen, egal ob sie aus Filmen stammen oder nicht. „Good Luck Charm“ schafft Platz 1 (allerdings als letzte Elvis-Single in den USA bis 1969), und auch „She’s Not You“ und „Return To Sender“ sind Super-Hits, auch wenn sie zumindest in Amerika die Spitzenposition verfehlen.
Am 17. Juni 1962 sehen sich Elvis und Priscilla erstmals wieder. Über zwei Jahre nach der räumlichen Trennung besucht die inzwischen 17-jährige ihren Helden in Graceland, und beide verstehen sich, als ob der Abschied in Frankfurt/Main erst zwei Wochen zurück liegt…


Elvis in Kid Galahad
1963
Zwei weitere Filme kommen in die Kinos: „It Happened At The World’s Fair“, in dem Elvis einen singenden freiberuflichen Piloten spielt, und „Fun In Acapulco“. In letzterem verbindet Elvis wie schon bei „King Creole“ und „Blue Hawaii“ sehr gekonnt Musikrichtungen, die eigentlich unverbindbar erscheinen, nämlich diesmal Rock und Pop mit lateinamerikanischen Klängen. Der Lohn ist ein weiterer Riesen-Erfolg im Kino und in den Platten-Charts, wo die Single-Auskopplung „Bossa Nova Baby“ locker die Top Ten schafft.

Elvis in Fun In Acapulco
1964
Neues Jahr, alte Masche, neue Erfolge: Drei neue Filme wirft die Elvis-Maschinerie auf den Markt. „Kissin’ Cousins“ fällt vor allem dadurch aus dem Rahmen, dass Elvis darin eine Doppel-Rolle spielt. „Viva Las Vegas“ ist pures Dynamit, da Ann Margret als weiblicher Co-Star brilliert, der Soundtrack vollauf überzeugt und die in die Handlung eingebetteten Autorennszenen spektakulär rüber kommen. Der Streifen erreicht Erfolge, die an die von „Blue Hawaii“ heranreichen, und RCA kann es sich sogar leisten, die Veröffentlichung einer Soundtrack-LP regelrecht zu verschlafen. Das passiert bei „Roustabout“ nicht; zwar ist die Story des Rummelplatz-Helden wider Willen nicht so strahlend wie die des singenden Rennfahrers im Vorgängerfilm, doch die LP landet sauber auf Platz 1 der US-Album-Charts.


Elvis in Viva Las Vegas
1965
Elvis ist jetzt 30 Jahre alt, und allmählich fragen sich die Fans, ob es immer nur noch mit Unterhaltungsfilmen und Soundtrack-Alben weitergehen soll. Die Beatles erobern mittlerweile die Welt, die Rolling Stones sind da, und Bob Dylan erschließt mit der Verbindung von Rock, Folk und politischen Botschaften neue Ebenen. Elvis und Tom Parker jedoch bleiben bei ihrer Erfolgsmasche, und das geht auch noch immer gut. Wieder kommen 3 Filme heraus, die alle großen Gewinn einspielen: „Girl Happy“, „Tickle Me“ und „Harum Scarum“ (in Großbritannien „Harem Holiday“ genannt), wobei letzterer noch einmal ein musikalisches Experiment ist, indem Rock und Pop diesmal mit arabischen Motiven verknüpft werden. Dennoch gerät Elvis’ Karriere allmählich auf eine Kurve nach unten, und der einstige Superheld hat seine Rolle als Trendsetter inzwischen verloren.


Elvis in Graceland
1966
Ein Jahr fast wie das Vorherige: Wie gewohnt bringen Elvis und sein Manager drei neue Filme in die Kinos und wirft RCA drei Soundtrack-LPs hinter her. „Frankie And Johnny“ kann dabei noch am meisten überzeugen. Die Story mit Elvis als Star einer Mississippi-Showboot-Truppe ist flott inszeniert und offenbart im Soundtrack ein paar Highlights wie den Titelsong und den Blues „Hard Luck“. „Paradise, Hawaiian Style“ und „Spinout“ (in Großbritannien „California Holiday“ genannt) fallen demgegenüber schon ab. Hat Elvis im Vorjahr zumindest mit dem Gospel-Pop-Song „Crying In The Chapel“ noch einen echten Hit landen können (Platz 3 in den USA), so schafft er diesmal mit Ausnahme von „Love Letters“ keinen einzigen Top Twenty-Hit mehr, und die Film-Alben erreichen auch keine hohen Platzierungen mehr. 1966 ist gewiss kein völliger Absturz, aber dass es Zeit für etwas Neues, für etwas Zeitgemäßes ist, wird allmählich deutlich.

Elvis Ostern
1967
Das Ereignis des Jahres ist ein nicht-musikalisches: Am 1. Mai 1967 heiratet Elvis Presley (32) seine langjährige Freundin Priscilla Beaulieu (21) in Las Vegas. Dem Vernehmen nach hat Manager Parker aus Imagegründen auf ein Ende des Zusammenlebens ohne Trauschein und auf eine Eheschließung gedrängt. Die Zeremonie im Aladdin Hotel ist dennoch eine Traumhochzeit. Elvis’ Trauzeuge ist sein Privatsekretär und späterer Roadmanager Joe Esposito, als Priscillas Brautjungfer fungiert ihre jüngere Halbschwester Michelle. Die Flitterwochen verbringt das Paar in Palm Springs/California.
Die Karriere des einstigen King gerät indes in einen nicht mehr zu leugnenden Abschwung. Nach wie vor sind keine neuen Live-Auftritte in Sicht. Die neu herausgebrachten Filme „Easy Come, Easy Go“, „Double Trouble“ und „Clambake“ verzeichnen im Kino einen alarmierenden Zuschauerschwund, und die Soundtrack-LPs nebst Single-Auskopplungen stürzen in den Charts regelrecht ab. Einziger echter Lichtblick des Jahres bleibt somit das im März 1967 veröffentlichte Album „How Great Thou Art“, Elvis’ zweite Gospel-LP nach „His Hand In Mine“ von 1960. Die Platte mit Songs, die Elvis bereits im Vorjahr mit den Jordanaires und erstmals den Imperials unter Leitung seines neuen Produzenten Felton Jarvis aufgenommen hat, ist ein Meisterwerk. Sie zeigt, dass der Champion es eigentlich immer noch drauf hat und bringt ihm zudem seinen ersten Grammy ein.


Elvis 1967 Hochzeit

Elvis 1967 Flitterwochen
1968
Zu Jahresbeginn gibt es wieder nicht-musikalische Schlagzeilen: Am 1. Februar 1968 wird im Baptist Memorial Hospital in Memphis Elvis’ und Priscillas gesunde Tochter Lisa Marie geboren.
Im Kino gibt es wieder drei neue Filme zu sehen: Auf „Stay Away, Joe“ folgt „Speedway“, dem weder die höchst authentischen Rennszenen aus der beliebten NASCAR-Serie noch die Mitwirkung von Nancy Sinatra als weiblicher Co-Star zum Erfolg früherer Ausmaße verhelfen können. „Live A Little, Love A Little“ wirkt im Vergleich zu früheren Presley-Filmen modern und sogar etwas freakig, schlägt aber auch nicht mehr wirklich ein. Und so ist es gut und dringend nötig, dass die Wende naht. Alarmiert durch die sinkenden Einnahmen fädelt ‚Colonel’ Parker mit dem Sender NBC eine Fernsehshow für Elvis ein, die mit Produzent und Regisseur Steve Binder im Juni 1968 in Burbank/California aufgezeichnet wird. Binder will Elvis wieder als ungeschminkten, unverfälschten Musiker zeigen und setzt sich damit gegen Parkers Vorstellungen einer Familien-Kitsch-Sendung durch, weil Elvis ihm beipflichtet, angeödet von den Jahren Parker’scher Hollywood-Tristesse.
Am 3. Dezember 1968 wird „Elvis’ TV-Special“ gesendet und schlägt ein wie eine Bombe. Zwar zeigt die 60-minütige Sendung noch einige Musical-Sequenzen, die an den Hollywood-Elvis erinnern, doch sind die Live-Sequenzen, die Elvis als harten, urgewaltigen Rocker in schwarzem Leder zeigen, so kraftvoll, so dynamisch und so explosiv, dass sie das Special zu einem der besten Projekte in Elvis’ gesamter Karriere machen. Der Riesen-Erfolg der Show, die letztlich als „’68 Comeback Special“ in die Musikgeschichte eingeht, wird begleitet durch die Single-Auskopplung „If I Can Dream“ (ein Song mit einer ernsthaften Botschaft, wie man ihn von einem Elvis Presley noch nie gehört hat) und eine zugehörige Soundtrack-LP. Beide Platten bringen Elvis zurück auf gute Chartplatzierungen. Die Rückkehr des Königs auf den Thron ist eingeleitet…


Elvis 1968 TV Special

Elvis 1968 TV Special

Elvis 1968 TV Special

1969
Nach dem durchschlagenden Erfolg des TV-Special fehlen noch zwei wesentliche Schritte zu einem echten Comeback: Das Aufnehmen neuer, eigenständiger, moderner Songs und die Rückkehr auf die Konzert-Bühne. Ersteres erfolgt im Januar und Februar 1969 bei einer mehrteiligen Session in den American Sound Studios von Chips Moman in Memphis. Mit der dortigen festen Band unter Führung des Pianisten Bobby Wood und des Gitarristen Reggie Young, die einen ganz eigenen hochmodernen Sound hat, nimmt Elvis über 30 brandneue Songs auf, hauptsächlich Soul, Country und starke Balladen. „In The Ghetto“, „Suspicious Minds“ und „Don’t Cry Daddy“ stammen alle aus diesen Sessions und werden im Verlauf des Jahres 1969 neue Super-Hits für Elvis, wobei der sozialkritische Text von „In The Ghetto“ selbst heftige Elvis-Kritiker positiv überrascht und „Suspicious Minds“ als erste Elvis-Single seit 1962 wieder auf Platz 1 der US-Single-Charts kommt. Auf LP schlagen sich die Memphis-Sessions in den Alben „From Elvis In Memphis“ und „Back In Memphis“ nieder, die sich ebenfalls glänzend verkaufen und sehr gute Kritiken erhalten.
Und schließlich kehrt Elvis nach 8 Jahren endlich auch wieder auf die Konzert-Bühne zurück. Tom Parker handelt mit dem nagelneuen International Hotel in Las Vegas einen Vertrag über ein einmonatiges Gastspiel aus. Das Interesse ist riesig, und als Elvis am 31. Juli 1969 nach wochenlangen Vorbereitungen und Proben auf die Bühne geht, sind alle 57 Konzerte bis zum 28. August (2 Shows pro Abend) ausverkauft. Elvis präsentiert sich vor den jeweils 2200 Zuschauern in absoluter Top-Form, er ist dynamisch wie nie zuvor und zugleich gereift im Vergleich zu den Anfangsjahren seiner Karriere. Das Songprogramm ist ausgewogen zwischen alten Hits, neuen Erfolgen und Evergreens. Für den Neubeginn hat Elvis eine komplett neue Band zusammengestellt mit dem Lead-Gitarristen James Burton an der Spitze, sowie John Wilkinson an der Rhythmus-Gitarre, Jerry Scheff am Bass, Ronnie Tutt am Schlagzeug und Larry Muhoberac am Piano (der Anfang 1970 gegen Glen Hardin ausgetauscht wird). Die TCB Band hat sich gefunden, und die große Top-Besetzung wird abgerundet durch die Sweet Inspirations als weiblichem und die Imperials als männlichem Begleitchor sowie ein Orchester mit Bobby Morris (ab August 1970 Joe Guercio) als Leiter. Mit dabei sind auch die Sopranistin Millie Kirkham (ab Mitte August 1970 Kathy Westmoreland) und Elvis’ Freund Charlie Hodge als Akustik-Gitarrist, Harmoniesänger und Mädchen für alles auf der Bühne.
Die Konzerte erhalten eine überwältigende Reaktion. Die Fans sind begeistert, die Kritiker enthusiastisch. Man spricht vom eindrucksvollsten Comeback der Rock-Geschichte. Elvis hat den Thron zurückerobert, er ist wieder der King. Dass 1969 wegen entsprechender Verträge noch einmal drei Spielfilme mit Elvis produziert werden und in die Kinos kommen, von denen zumindest der Western „Charro!“ und das Drama „Change Of Habit“ höheres Niveau haben, wird fast nur noch von Hardcore-Fans wahrgenommen. Von nun an wird Elvis keinen Spielfilm mehr drehen. Er ist zu seinem besten Element zurückgekehrt, den Live-Auftritten vor seinen Fans.

Elvis 1969 American Sound Studio

Elvis 1969 Las Vegas

Elvis 1969 Las Vegas

1970
Nach dem triumphalen Comeback von 1968/69 ist sowohl Manager Parker als auch Elvis klar, dass nun wieder regelmäßig Live-Konzerte folgen werden. Und so kehrt Elvis schon im Januar 1970 nach Las Vegas ins International Hotel zurück. Viel zu schnell, meinen einige, doch Elvis straft die Skeptiker Lügen und schafft wieder einen Total-Ausverkauf aller 57 Shows zwischen dem 26. Januar und dem 23. Februar. Auf der Bühne trägt er erstmals Jumpsuits (einteilige, prachtvoll verzierte Anzüge) und erfindet sich praktisch neu: Er ist weder länger der Rock’n’Roller noch der Hollywood-Strahlemann, noch – und geschweige denn – ein traditioneller Las Vegas-Star im Smoking. Das was Elvis auf die Bühne bringt, ist völlig neu; es ist quasi eine Super-Pop-Show mit ihm als universellem Super-Entertainer, der spielerisch zwischen allen musikalischen Stilrichtungen hin und her wechselt, sich dynamisch bewegt, die Ladies mit Küsschen beglückt und dazu noch eine witzige Geschichte erzählen kann.
Auf das zweite Las Vegas-Gastspiel folgen zwischen dem 27. Februar und dem 1. März 1970 sechs Konzerte im riesigen Astrodome in Houston/Texas, wo Elvis als Sonder-Attraktion ins Rodeo-Programm des „Houston Livestock“ integriert ist. Nach einer weiteren Mammut-Session im Juni, bei der diesmal wieder in Nashville weitere 34 neue Songs aller Stilrichtungen entstehen, kehrt Elvis im August nach Las Vegas zurück. Zwischen dem 10. August und dem 8. September 1970 gibt Elvis dort 58 neue, bahnbrechende Konzerte. Wie schon während der Proben im Juli ist MGM während der ersten Tage des Gastspiels anwesend und filmt für einen Dokumentarfilm, der im Dezember unter dem Titel „Elvis – That’s The Way It Is“ in die Kinos kommt. Der Streifen unter der Regie von Denis Sanders zeigt eindrucksvoll die ganze Magie des Konzert-Elvis der frühen 70er Jahre und geht als ein weiterer Meilenstein in die Geschichte ein.
Direkt nach dem erneuten Las Vegas-Triumph geht Elvis erstmals seit 1957 auch wieder auf USA-Tournee und begeistert bei den insgesamt 8 Konzerten Zehntausende von Fans zwischen Phoenix/Arizona und Mobile/Alabama. Gleiches spielt sich bei einer zweiten Tournee im November entlang der Westküste ab. 138 Konzerte sind es somit, die Elvis alleine im Jahr 1970 gegeben hat.
Auch auf dem Plattenmarkt schlägt Elvis 1970 wieder voll zu. Mit „Kentucky Rain“, „The Wonder Of You“ und „You Don’t Have To Say You Love Me“ landet er drei weitere satte Hits, und die Alben „On Stage – February, 1970“ (neue Songs, die direkt in Las Vegas live aufgenommen worden sind) und „Elvis – That’s The Way It Is“ (die LP zum gleichnamigen Film) laufen ebenfalls vorzüglich.

Elvis 1970 Live

Elvis 1970 Live

Elvis 1970 Live
1971
Elvis hat sich im Showbusiness neu etabliert. Aus dem König des Rock’n’Roll ist der King of Entertainment geworden, und der lässt es auch 1971 wieder richtig krachen. Zwischen dem 26. Januar und dem 23. Februar zieht Elvis erneut 57 Mal im International Hotel in Las Vegas seine Show ab. Das Hotel gehört jetzt zur Hilton Hotel-Kette und wird bald nur noch „The Las Vegas Hilton“ heißen. Zwischen dem 20. Juli und dem 2. August 1971 gastiert Elvis erstmals im Sahara Hotel am Lake Tahoe, ebenfalls für 2 Shows pro Abend, ehe er am 9. August mit seiner Truppe für weitere 4 Wochen ins Las Vegas Hilton zurückkehrt. Im November geht es dann noch auf eine große USA-Tournee, bei der erstmals J. D. Sumner & The Stamps anstelle der Imperials den männlichen Begleitchor geben. Insgesamt absolviert Elvis 156 Konzerte in diesem Jahr, die erneut alle ausverkauft sind.
Die überragende Elvis-Platte des Jahres ist die LP „Elvis Country“, ein echtes Konzept-Album, das erneut sowohl die Fans und Plattenkäufer als auch die Kritiker begeistert. Die Singles dagegen dümpeln zumindest in den USA nach dem Hoch von 1969/70 schon wieder im Niemandsland der Chart-Plätze ab 30 abwärts. Das liegt freilich nicht so sehr an schwachen Verkäufen, sondern an mangelnden Radio-Einsätzen (in Amerika errechnen sich die Chartplatzierungen sowohl aus Plattenverkäufen wie auch aus Radio-Einsätzen). Dieses fehlende ‚Air Play’ liegt unter anderem an Manager Parkers Unwillen, größere Stückzahlen von Singles zu Promozwecken an die Radiostationen auszugeben. Wer’s nicht nötig hat…


Elvis 1971 mit Priscilla und Lisa Marie

Elvis 1971 Live
1972
Das Jahr beginnt fast schon traditionell mit einem 4-wöchigen Engagement im Las Vegas Hilton vom 26. Januar bis zum 23. Februar. Danach geht es bereits im April auf eine neue große USA-Tournee, die von Buffalo/New York über Detroit/Michigan und Dayton/Ohio in den alten Süden führt und am 19. April nach 19 Konzerten in 15 Städten in Albuquerque/New Mexico endet. MGM ist wieder mit dabei und filmt neben den Proben im März insgesamt 5 Shows der Tour plus Etliches vom Drumherum für einen neuen Dokumentarfilm, der am Jahresende unter dem Titel „Elvis On Tour“ in die Kinos kommt. Der Film unter der Regie von Pierre Adidge und Robert Abel ist der konsequente Nachfolger von „That’s The Way It Is“; beide Filme zusammen repräsentieren die Live-Standbeine des King in den 70er Jahren, nämlich zum einen Las Vegas und zum anderen die Tourneen. In „On Tour“ wirkt Elvis nicht mehr ganz so dynamisch wie in „That’s The Way…“, doch wird dieses kleine Manko durch die Faszination wettgemacht, die die gigantischen Dimensionen einer Elvis-Tournee durch die größten Arenen Amerikas ausstrahlen.
Schon im Juni ist Elvis wieder unterwegs. Diesmal bereist die Presley-Show die Nordstaaten, und schon der Auftakt ist ein Spektakel ersten Ranges: Vom 9. bis zum 11. Juni gibt Elvis nach einer unterhaltsamen TV-Pressekonferenz 4 Konzerte an 3 Tagen im berühmten New Yorker Madison Square Garden, wo der Champion pro Show 20 000 Fans in seinen Bann zieht. Zweiter Höhepunkt der Konzert-Reise ist Chicago, die andere Superstadt im Norden, wo Elvis genau ein Wochenende später bei 3 Shows im Chicago Stadium wieder jeweils 20 000 Fans anlockt; insgesamt sehen so alleine in New York und Chicago 140 000 Besucher einen Elvis in Hochform.
Das Elvis-Imperium strahlt heller denn je und wird lediglich dadurch überschattet, dass der King nur in Nordamerika auftritt. Auslandsangebote gibt es mehr als genug, doch ‚Colonel’ Parker lehnt jede noch so lukrativ erscheinende Offerte ab. Grund dafür ist mitnichten, dass der Manager ein angeblich illegaler USA-Einwanderer ist, der die Staaten nicht mehr verlassen kann, ohne aufzufliegen. Vielmehr denkt Parker streng marktwirtschaftlich und sieht, dass angesichts immenser Organisations- und Transportkosten bei keineswegs größeren Hallen eine Europa- oder Asien-Tournee niemals den gleichen Gewinn erzielen kann wie USA-Tourneen. Um aber dennoch die Magie des Konzert-Elvis um die Welt zu schicken (und dabei noch satt zu verdienen), plant er, via Fernsehen Elvis live den Fans in Übersee zu präsentieren.
Bevor es aber soweit ist, kehrt Elvis im August 1972 für eine weitere 4-wöchige Konzertserie nach Las Vegas zurück und geht im November auf eine dritte USA-Tournee in diesem Jahr, die in Honolulu/Hawaii endet und somit schon einen Location-Test für das kommende Live-TV-Special beinhaltet, das für Januar 1973 eben in der hawaiianischen Hauptstadt geplant ist.
1972 absolviert Elvis damit 165 ausverkaufte Konzerte, mehr als je zuvor. Seine Platten laufen auch wieder besser: Mit „Burning Love“ bringt Elvis einen modernen Rock-Song heraus und landet damit erstmals nach zwei Jahren wieder einen Welt-Hit. Die Live-LP „Elvis As Recorded At Madison Square Garden“ mit der Samstagabend-Show aus New York vom 10. Juni wird ebenfalls ein großer Erfolg, und das Gospel-Album „He Touched Me“ bringt Elvis seinen zweiten Grammy ein.


Elvis 1972 Live


Elvis 1972 Live


Elvis 1972 Live

14. Januar 1973
Am 9. Januar 1973, einen Tag nach seinem 38. Geburtstag, ist Elvis mit seiner Entourage nach Hawaii geflogen. Dort probt er intensiv für das größte Spektakel seiner gesamten Karriere. Und so wird am Sonntag, dem 14. Januar 1973, das Fernsehkonzert „Elvis Aloha From Hawaii“ aus dem International Center in Honolulu über den Satelliten Intelsat IV in den gesamten asiatischen und ozeanischen Raum live ausgestrahlt. Rund 15 Länder – darunter Japan, Südkorea, Südvietnam, die Philippinen, Thailand, Australien und Neuseeland – übernehmen die von NBC gesendete Show direkt. Die Einschaltquoten sind astronomisch und liegen jeweils zwischen 70 und über 90 (!) Prozent.
Die Europäer sitzen dagegen buchstäblich im falschen Film: Den Sendern ist das Live-Projekt zu teuer, und man beschränkt sich auf die Ausstrahlung von Aufzeichnungen in den folgenden Wochen. Das ist auch in den USA so, hier allerdings mit Kalkül. Denn die Erstausstrahlung von „Aloha From Hawaii“ am 4. April 1973 ist aufgewertet durch 4 Bonus-Songs, die Elvis nach dem Live-Konzert in der leeren Halle aufgenommen hat und die mit herrlichen Landschaftsaufnahmen gekoppelt in die US-Version der Show eingestreut werden. Doch ob live oder aus der Konserve: Bis Mitte 1973 wird das Konzert in 36 Ländern der Erde von rund einer Milliarde TV-Zuschauern (= ein Drittel der damaligen Weltbevölkerung) gesehen – ein sagenhafter Rekord. Das Live-Doppel-Album mit der (fast) kompletten Show wird am 1. Februar 1973 weltweit simultan veröffentlicht und zu einem Mega-Erfolg (u. a. Platz 1 in der US-Album-Chart). Die Single-Auskopplung „Steamroller Blues“ entwickelt sich zudem zu einem weiteren veritablen Hit für Elvis.
Mit der Aloha-Show hat Elvis Presley den Höhepunkt seiner Karriere erreicht, kommerziell ebenso wie künstlerisch. Im Konzert zeigt sich der King in seinem eigens für das Projekt entworfenen „Aloha Eagle Suit“ schon optisch königlicher als je zuvor. Während seiner Darbietung verzichtet er weitgehend auf seine typischen Bewegungen, um nicht womöglich die fremden asiatischen Kulturen zu brüskieren. Dafür aber präsentiert er sich stimmlich und musikalisch grandioser als je. Die meisten seiner eigenen Hits fehlen im Songprogramm; dafür gibt es etliche neue Titel zu hören und insgesamt ein Potpourri von Klassikern und Evergreens aller Stilrichtungen, die Elvis so kraftvoll und überzeugend interpretiert, dass man vollkommen gebannt ist von so viel Können. Noch einmal hat der King of Entertainment seinem Ruf alle Ehre gemacht und einen ganz großen Sieg errungen.


Elvis 1973 Hawaii Ankunft

Elvis 1973 Live Aloha
1973
Nach dem Triumph der Aloha-Show hätte sich Elvis getrost eine längere Pause gönnen können. Stattdessen tut er genau das Gegenteil und wirft sich geradezu auf die Bühne. Bei den traditionellen zwei Las Vegas-Gastspielen (Januar/Februar und August/September), einem neuen Engagement im Sahara Hotel am Lake Tahoe (Mai) und zwei USA-Tourneen (April und Juni/Juli) gibt er insgesamt 166 Konzerte und übertrifft damit seinen Vorjahresrekord sogar noch. Weiterhin sind alle Shows im Voraus ausverkauft, und bei den Tour-Konzerten zeigt sich der King immer noch voll motiviert und in bester Spiellaune. In Las Vegas ist das nicht mehr immer der Fall, weil Elvis die Monotonie der allabendlich immer gleichen Kulisse und das wochenlange eingesperrt sein im goldenen Käfig seiner Suite mehr und mehr aufs Gemüt schlägt.
Dass Elvis’ Platten im Verlauf des Jahres 1973 nach dem Super-Erfolg der hochwertigen Aloha-Veröffentlichungen qualitativ etwas nachlassen und in den Charts eher hinten liegen, kann nicht mal überraschen. Die LP „Raised On Rock“ mit dem Titelsong als Single ist ein gutes Beispiel hierfür, wenngleich diese beiden Veröffentlichungen bei weitem nicht so schlecht sind, wie die Kritiker sie machen.
Besorgniserregender sind da schon die persönlichen und gesundheitlichen Probleme, mit den Elvis 1973 konfrontiert wird. Nachdem Ehefrau Priscilla sich auf eine Affäre mit ihrem Karatelehrer Mike Stone eingelassen hat und schon im Februar 1972 mit Tochter Lisa Marie aus Graceland ausgezogen ist, wird die Presley-Ehe am 9. Oktober 1973 in Santa Monica/California geschieden. Elvis tröstet sich zwar seit Sommer 1972 mit der bildhübschen und einfühlsamen „Miss Tennessee“ Linda Thompson (die nicht wenige für eine viel bessere Frau Presley gehalten hätten), doch der Champion ist zutiefst verletzt. Es darf angenommen werden, dass die tiefe Kränkung weniger durch den Verlust seiner kleinen Familie verursacht wird als durch die Tatsache, dass ihm als dem ultimativen männlichen Sexsymbol und dem Archetypus des Southern Gentleman die Frau praktisch öffentlich mit einem anderen Kerl weggelaufen ist. Doch die Wirkung auf die Seele ist die gleiche. Und auch der Körper macht ernstzunehmende Probleme: Eine schon 1971 aufgetretene Augenkrankheit verschlimmert sich ständig, hinzu kommen Darmträgheit und krasse Schlaflosigkeit. 1973 müssen erstmals einige Konzerte in Las Vegas und Lake Tahoe aus gesundheitlichen Gründen abgesagt werden, ein Novum in der bis dato strahlend weißen Karriere des Mannes aus Memphis.

Elvis 1973 Live

Elvis 1973 Live


1974
Vielfach wird dieses Jahr als Beginn des endgültigen Presley-Niedergangs angesehen; in Wahrheit kriegt Elvis 1974 noch einmal ganz überzeugend die Kurve! Er scheint sich mit den neuen persönlichen Verhältnissen arrangiert zu haben und wirkt im Vergleich zum Sommer des Vorjahres körperlich gut erholt. Manager Parker kürzt erstmals die bislang 4-wöchigen Las Vegas-Gastspiele auf 2 Wochen zusammen, um mehr Zeit für die Tourneen zu gewinnen, die trotz der höheren Werbungs- und Transportkosten einfach lukrativer sind als die Vegas-Engagements aufgrund der wesentlich größeren Zuschauerzahlen in den Arenen der großen Städte. Elvis wiederum empfindet diese Änderung als positiv wegen seiner steigenden Antipathie gegen die Vegas-Situation. Und so zieht der King nach 29 Shows an 15 Tagen im Januar/Februar im Las Vegas Hilton ab dem 1. März 1974 die bis dahin längste USA-Tournee seiner Karriere durch. Höhepunkt der Tour sind mehrere Konzerte in Elvis’ Heimatstadt Memphis, von denen das letzte am 20. März sogar für ein weiteres Live-Album mitgeschnitten wird.
Es folgen eine kurze Tournee entlang der Westküste mit 2 Konzerten im Los Angeles Forum vor jeweils 20 000 Fans als Höhepunkt und ein Gastspiel im Sahara Hotel am Lake Tahoe im Mai, ehe im Juni/Juli eine weitere ausgedehnte Tournee durch Nordamerika für Begeisterungsstürme sorgt. Am 19. August kehrt Elvis nach Las Vegas zurück, wo er bis zum 2. September 27 Mal auf der Bühne steht. Elvis sieht seit Monaten gut und gesund aus, er hält sich mit Karate fit, er präsentiert mit fast kindlicher Freude immer neue, farbenfrohe Jumpsuits und – was das Wichtigste ist – er hat viele neue und starke Songs im Programm wie „Let Me Be There“ und „Why Me, Lord?“ oder den modern klingenden Rocker „Promised Land“, der als Single in den Charts wie den Plattenläden bemerkenswert gut abschneidet.
Dass Elvis auf der nächsten Tournee im September/Oktober und dem direkt folgenden Kurz-Engagement im Sahara Hotel müde und krank wirkt und sich eher mühsam durch die Shows zu schleppen scheint, als charismatisches Entertainment zu bieten, tut der exzellenten Gesamtbilanz des Jahres mit 156 ausverkauften Konzerten, 2 Top Twenty-Hits und 2 hervorragenden Alben (neben der Memphis-Live-LP erscheint noch „Good Times“) keinen wirklichen Abbruch.

Elvis mit Linda Thompson>

Elvis 1974 Live

1975
Elvis Presley ist jetzt 40 Jahre alt und steht seit fast 20 Jahren an der Spitze des Showbusiness. Und noch immer hat er viel zu bieten. Nachdem die traditionellen Winterkonzerte in Las Vegas wegen der Eröffnung eines neuen Gebäudeteils im Hilton Hotel von Januar/Februar auf März verschoben worden sind, geht Elvis ab April wieder auf große Tournee. Bis Juni fegt der Champ wie ein Tornado durch die Südstaaten, sein altes Stammland, um im Juli dann auch wieder den ‚Yankees’ im Norden der USA Entertainment auf Spitzenlevel zu bringen. Elvis hat etliche Songs seiner neuen LP „Elvis Today“ im Programm, darunter die Single „T-R-O-U-B-L-E“, eine Rocknummer der besten Sorte. Elvis ist mit ungebrochenem Elan bei der Sache und kauft sich sogar einen 4-strahligen Langstrecken-Düsenjet vom Typ Convair 880, den er ganz nach seinen Bedürfnissen und Wünschen umbauen und umgestalten lässt. Er vergewissert sich auch darüber, dass die Maschine, die er „Lisa Marie“ tauft, bis nach Europa fliegen kann…
Mitten in die Euphorie hinein kommt jedoch der Absturz. Im August 1975 reist Elvis krank zum nächsten Gastspiel nach Las Vegas an und muss die Konzertreihe nach nur 5 Shows abbrechen. Ein Desaster. Fast vier Monate lang tritt Elvis nicht mehr auf. Doch noch hat der King die Kraft, zurück zu kommen. Im Dezember 1975 holt Elvis die ausgefallenen Konzerte in Las Vegas nach…, und schafft prompt einen neuen Rekord, indem er der erste Künstler wird, der im Flaute-Monat Dezember ein Gastspiel in der Show- und Glückspiel-Metropole ausverkaufen kann. Und er legt noch eins drauf: Am 31. Dezember gibt der Mega-Star im riesigen Silver Dome in Pontiac/Michigan (bei Detroit) vor über 60 000 Zuschauern ein spektakuläres Silvesterkonzert. Es ist die größte Kulisse, vor der Elvis während seiner gesamten Karriere auftritt.


Elvis 1975 Live

Elvis 1975 Live


1976
Die USA feiern ihren 200. Geburtstag, und Elvis leistet einen ganz persönlichen Beitrag dazu mit der „American Bicentennial Tour ’76“, einer mehrteiligen Mammut-Tournee durch die gesamten USA, die am 17. März in Johnson City/Tennessee startet und am 30. November in Anaheim/California endet. Insgesamt 99 Konzerte in 74 Städten umfasst die Tournee, womit Elvis aufgrund der Größe der Hallen mehr Zuschauer erreicht als je zuvor in seiner Karriere. Las Vegas und Lake Tahoe treten demgegenüber immer mehr in den Hintergrund; nur jeweils ein Gastspiel von 10 bzw. 11 Tagen Länge setzt ‚Colonel’ Parker im Sahara und im Hilton an.
Die Fans strömen unverändert massenhaft in die Arenen; Elvis füllt nach wie vor mühelos jede auch noch so große Halle. Außer der neuen Single „Hurt“ und der zum patriotischen Anlass passenden Hymne „America, The Beautiful“ hat Elvis musikalisch nicht viel Neues mehr zu bieten, doch die lebende Legende zu sehen und zu hören, reicht offenbar aus. Die gigantischen Dimensionen der Tournee und der tosende Jubel der Massen können jedoch nicht wirklich verdecken, dass etwas nicht mehr stimmt. Elvis wirkt in vielen Shows aufgedunsen und schwerfällig. Er sieht blass und ungesund aus, und auch wenn seine Stimme nichts von ihrer Kraft verloren hat, merkt man ihm bisweilen Kurzatmigkeit und Probleme beim Sprechen an – letzteres offenbar durch die Einnahme schwerer Medikamente ausgelöst.
Auch hinter den Kulissen läuft einiges aus dem Ruder: Vater Vernon feuert im Auftrag von Elvis die langjährigen Leibwächter Red und Sonny West sowie den Karatespezialisten Dave Hebler. Offizieller Grund sind Einsparmaßnahmen, tatsächlich aber ist das oftmals rüde Benehmen der Bodyguards in der Öffentlichkeit der Grund für die Entlassungen. Linda Thompson wird aussortiert und durch die blutjunge Ginger Alden ersetzt, die mit ihrem Eigensinn und mit dem Schmarotzertum ihrer Familie dem alternden Mega-Star längerfristig aber auch nicht gut tut. Über dem Königreich ziehen dunkle Wolken auf…


Elvis 1976 Live

Elvis 1976 Live


1977
Elvis gehört in ein Sanatorium und nicht auf eine Konzertbühne. Doch nichts ändert sich. Ab dem 12. Februar 1977 ist Elvis wieder unterwegs und tourt kreuz und quer durch die USA. Die Shows sind ein ständiges Auf und Ab. Guten Vorstellungen wie in Charlotte/North Carolina, wo Elvis seine viel versprechende neue Single „Moody Blue“ erstmals live singt, folgen schwache wie in Norman/Oklahoma. Am 1. und 2. Mai lockt Elvis zu zwei starken Konzerten insgesamt noch mal 40 000 Zuschauer ins Chicago Stadium, um am 29. Mai in Baltimore/Maryland seine Show wegen völliger Erschöpfung für fast eine halbe Stunde unterbrechen zu müssen. Der King sieht erschreckend schlecht aus und ist aufgedunsen wie nie. Neben den bereits erwähnten Krankheiten leidet Elvis unter hohem Blutdruck und Wasseransammlungen im Körper, die sein Organismus nicht mehr richtig abbauen kann.
Während der Juni-Tournee ist dann allen Ernstes das Fernsehen da. ‚Colonel’ Parker hat mit CBS ein neues TV-Special ausgehandelt. Dem Sender sind die anhaltenden Konzert-Erfolge von Elvis nicht verborgen geblieben, der aktuellen Zustand der Hauptperson offenbar schon. CBS filmt die Konzerte in Omaha/Nebraska am 19. und in Rapid City/South Dakota am 21. Juni… und erwägt eine Neuaufnahme zu einem späteren Zeitpunkt, wenn es Elvis vielleicht wieder besser geht. Derweil beendet Elvis die Tournee am 26. Juni 1977 vor fast 17 000 Fans in der ausverkauften Market Square Arena in Indianapolis/Indiana. Es ist der letzte öffentliche Auftritt von Elvis Presley. Und fast so, als ob er ahnt, dass er zum letzten Mal für sein Publikum singt, gibt Elvis an diesem Abend das beste Konzert des vergangenen halben Jahres…
Aus historischen Gründen sendet CBS am 3. Oktober 1977, eineinhalb Monate nach Elvis’ Tod, doch das aus den beiden gefilmten Konzerten zusammengesetzte TV-Special unter dem Titel „Elvis In Concert“. Die Sendung zeigt schonungslos Elvis’ angegriffenen Zustand, verdeutlicht aber zugleich drei Dinge, die allen 1977er Konzerten von Elvis gemeinsam sind: Erstens Elvis’ ungebrochene Fähigkeit, seine Aufgabe als Entertainer bis zuletzt zu erfüllen, nämlich für ausverkaufte Hallen und begeisterte Fans zu sorgen. Zweitens Elvis’ immer noch bemerkenswerte stimmliche Qualität und musikalische Vielfalt. Und drittens eine schier unendliche gegenseitige Treue – ja Liebe! – zwischen Elvis und seinen Fans.


Elvis und Ginger Alden

Elvis’ letztes Konzert

16. August 1977
In den letzten Tagen seines Lebens weiß Elvis Presley vermutlich nicht genau, wo er steht. Einerseits haben ihm die 6 Wochen Pause seit der letzten Tournee gut getan. Er freut sich auf die nächste Konzertreise, die am 17. August in Portland/Maine beginnen soll und deren Shows erneut alle ausverkauft sind. Fünf neue Songs will er bringen, und erstmals seit Monaten liegt auch wieder ein neuer Jumpsuit für ihn bereit. Er hat vor, die launische Ginger Alden durch eine neue Partnerin zu ersetzen und verbringt viel Zeit mit seiner Tochter Lisa Marie, die mal wieder zu Besuch in Graceland ist. Andererseits fürchtet er sich panisch vor dem wüsten Skandal-Buch „Elvis – What Happened?“, das die im Vorjahr gefeuerten Leibwächter inzwischen fabriziert haben. Wie wird das Publikum reagieren? Wird er die Kraft haben, sich besser zu präsentieren als bei den Konzerten der vorherigen Monate?
Am Morgen des 16. August 1977 legt Elvis sich schlafen. Am frühen Nachmittag, es ist etwa 14.00 Uhr, wundert sich Ginger Alden, dass Elvis nicht neben ihr im Bett liegt. Sie findet ihn kurz darauf leblos auf dem Boden des Badezimmers. Road-Manager Joe Esposito eilt herbei, man startet Wiederbelebungsversuche, ein Krankenwagen wird gerufen und bringt Elvis in rasender Fahrt ins Baptist Memorial Hospital. Noch im Wagen und dann im Krankenhaus versuchen erst Elvis’ umstrittener Leibarzt Dr. George Nichopoulos und dann das Team des Hospitals alles, um Elvis wieder ins Leben zu holen. Doch alle Bemühungen sind vergebens. Um 15.30 Uhr an diesem Dienstag, dem 16. August 1977, verbreitet sich die Schreckensnachricht wie ein Lauffeuer um die ganze Welt: Elvis Aaron Presley ist im Alter von 42 Jahren in Memphis/Tennessee verstorben.

Elvis 1977 Graceland Gates

Elvis 1977 We’ll miss you
August 1977 – Nach Elvis’ Tod
Die Nachricht vom Tode Elvis Presleys schlägt ein wie eine Bombe. Millionen Menschen in aller Welt sind wie paralysiert und trauern hemmungslos. Fernsehsender und Radio-Stationen ändern sofort ihr Programm, Zeitungen bringen die Meldung in Riesenlettern auf der ersten Seite. In Memphis versammeln sich vor Graceland über 100 000 Menschen, um gemeinsam zu trauern, etwas Neues zu erfahren und um Abschied vom King of Entertainment zu nehmen. Elvis Presley ist zu DEM Thema schlechthin während dieser Tage im Sommer 1977 geworden.
Auf Bitten von Elvis’ Vater Vernon wird im Baptist Memorial Hospital eine amtliche Autopsie unter Leitung von Dr. Jerry Francisco durchgeführt, um herauszufinden, woran der Mega-Star gestorben ist. Die Untersuchung kommt zu dem Ergebnis, dass Elvis ein Herzinfarkt zum Verhängnis wurde. Es werden keine Anzeichen für den Konsum illegaler Drogen wie Heroin oder Kokain gefunden, jedoch finden sich im Magen des Verstorbenen Rückstände von mehreren starken Medikamenten.
Am 18. August 1977 wird Elvis Presley im Rahmen einer bewegenden Trauerfeier zu Grabe getragen. Neben Vater Vernon und weiteren engen Angehörigen wie Ex-Frau Priscilla und Tochter Lisa Marie sind wichtige Freunde wie Joe Esposito, Charlie Hodge, Jerry Schilling und George Klein zugegen, natürlich Manager ‚Colonel’ Tom Parker, dazu John Wayne und Caroline Kennedy, sowie Linda Thompson und Ginger Alden mit ihren Familien. Kathy Westmoreland sowie die Gospel-Chöre The Statesmen, The Blackwood Brothers und J. D. Sumner & The Stamps singen. Pastor C. W. Bradley, Fernsehprediger Rex Humbard und Jackie Kahane, der Comedian aus Elvis’ Konzert-Vorprogramm, halten Ansprachen. Leichenwagen ist ein weißer Cadillac; die Wagenkolonne, die sich schließlich auf den Weg zum Forest Hill-Friedhof macht, umfasst 49 Fahrzeuge, spontan gefolgt von einer Abordnung der Rockergruppe „Hell’s Angels“. Der Friedhof ist bedeckt von einem Meer von Blumen und Trauerkränzen aus aller Welt. US-Präsident Jimmy Carter gibt eine Erklärung heraus, die Elvis Presley als herausragendes Symbol Amerikas würdigt.
Am 2. Oktober 1977 werden die Särge von Elvis und seiner Mutter Gladys von Forest Hill nach Graceland umgebettet, nachdem Grabräuber versucht haben, Elvis’ Leichnam zu stehlen.

Und so findet Elvis Presley zuhause in Graceland, in der Stille und dem Frieden des Meditation Garden, seine ewige Ruhe. Seine Musik und seine Kunst leben in unseren Herzen und unseren Gedanken auf ewig weiter, und der Junge, den wir King nennen, wird unvergessen bleiben!

Peter Beines
The King’s World, Juni 2009

Elvis 1977 Beerdigung

Elvis 1977 Beerdigung


Elvis’ Grab




Quellen

Priscilla Beaulieu Presley:
„Elvis und ich“
(4. Auflage, Bergisch Gladbach/Deutschland 1987)

Roy Carr/Mick Farren:
„Elvis – The Complete Illustrated Record“
(1. Auflage, London/Großbritannien 1982)

Robert Gordon:
„The King On The Road – Elvis Live On Tour 1954 To 1977“
(Neuauflage, New York City/USA 2001)

Peter Guralnick:
„Last Train To Memphis – Elvis Presley. Sein Aufstieg. 1935 - 1958“
(1. Auflage, Berlin/Deutschland 2005)

Marc Hendrickx:
„Elvis A. Presley – Die Musik, der Mensch, der Mythos“
(1. Auflage, Höfen/Österreich 2003)

Sue McCasland/Joseph A. Krein:
„Elvis Live At Del Webb’s Sahara Tahoe“
(1. Auflage, Arnsberg/Deutschland 2008)

Vester Presley:
„A Presley Speaks“
(8. Auflage, Memphis/USA 1989)

David Ritz (Hrsg.):
„Elvis By The Presleys“
(1. Auflage, New York City/USA 2005)

Mike E. Rodger:
„Elvis Presley – Eine Biographie“
(3. Auflage, Leer/Deutschland 1977)

Stein Erik Skar:
„Elvis – The Concert Years 1969 - 1977“
(Überarbeitete und erweiterte Ausgabe, Moss/Norwegen 1997)

Alfred Wertheimer:
„Elvis mit 21 – Von New York nach Memphis“
(1. Auflage, Berlin/Deutschland 2006)

Buch

Buch

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