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Der König regiert über seinen Tod hinaus
Es war Mitte der 50er Jahre, als der Rock-Urknall stattfand. Doch auch Jahre später hatte er uns in Deutschland immer noch nicht richtig erreicht. Und so wuchs ich in den 60ern spießig, deutsch und sittsam auf. Solange die Schulnoten okay waren, ergingen sich die Eltern in Zufriedenheit. Gehört wurden deutsche Musik, Schlager, Operetten, Seemannslieder. Auf dem Kamm blasen, sowie Mundharmonika und Ziehharmonika spielen, hatte ich mir selbst beigebracht. Schließlich erbettelte ich mir Klavierunterricht. Was ich denn damit erreichen wolle, fragte mich die betagte Klavierlehrerin. Moderne Schlager würde ich gerne spielen wollen, gab ich zur Antwort. Was denn moderne Schlager seien, wollte sie dann wissen. Udo Jürgens nannte ich ihr als Beispiel. „Der hat das aber von der Pieke auf gelernt“, meinte sie. Und so lernte ich auch bei ihr jahrelang von der Pieke auf, aber bei Udo Jürgens landete ich nie.

Auf dem Gymnasium begegnete ich dann erstmalig Menschen, die richtig auf die ‚Englischmusik’ abfuhren. So blieb mir also nichts anderes übrig, als mich auch ein wenig damit zu beschäftigen. Mit den Beatles, den Les Humphries Singers und The Sweet konnte ich zum Beispiel durchaus was anfangen. Dann bekam ich eine LP mit gecoverten Rocktiteln aus den 50ern geschenkt. Die fand ich super. Und doch investierte ich mein überschaubares Taschengeld lieber noch in Udo Jürgens.

1975 streifte ich dann mit einem Freund durch den der Schule benachbarten Supermarkt. Und da stand sie dann, die Doppel-LP „Elvis Forever“. Das Cover faszinierte mich. Da steckte der Kerl in so ’nem Glitzeranzug und hatte ein dazu nicht ganz passendes sensibles Gesicht. „Kennst Du den?“, fragte ich meinen Freund. „Klar“, antwortete dieser, „das ist Rock’n’Roll-Sänger Elvis Presley. Der ist berühmt.“ Ein paar Tage guckte ich mir die Doppel-LP im Supermarkt an, …und schließlich kaufte ich sie. Und ich war hin und weg! So etwas hatte ich nicht erwartet und noch nicht gehört. Was für eine Bandbreite an Emotionen und stimmlicher Überzeugungskraft! Was für eine Flexibilität und Vielseitigkeit! Und wie ungeheuer mitreißend! Adieu, Udo Jürgens!

Der Doppel-LP lag dann auch noch eine Biographie bei, die den Sänger nicht unsympathischer machte. Des Weiteren war im Innencover der Riesenschwung fast aller bislang erschienenen Elvis-LPs abgebildet. Auf jedem Cover sah der Sänger irgendwie anders aus und jedes Mal so, als füge er seinem Leben gerade eine tolle neue Facette hinzu. Mir war sofort klar, wohin mein Taschengeld zukünftig fließen werde und dass ich eine Erhöhung desselben beantragen müsse. Nun ging’s ab. Nun war es aus mit dem ruhigen Leben meiner Familie und unserer Nachbarn. Es war damals üblich, dass jeder seine Lieblingssongs dann und wann summte oder sang. Das ging mir genauso. Hatte ich bis dahin deutsche Schlager gesummt, grölte ich nun ein paar Takte meiner Elvis-Songs in jeden Raum mit angenehmem Hall!

Bis zum August 1977 hatte ich schon über 30 LPs meines Heros gesammelt und jede Zeitung gekauft, in der er erwähnt wurde. Ich bekam auch einiges an älteren Ausgaben geschenkt, so dass ich bald alle Wände und die Decke meines Zimmers prima mit Elvis tapeziert hatte. Schnell lernte ich auch andere Elvis-Fans kennen. Einer war 5 Jahre älter, mit der Lehre schon fertig und fuhr ein kleines altes Wohnmobil. Damit wollte er Ostern 1977 in die USA und ‚Elvis besuchen’. Die Versuchung war groß, doch ich war erst 16 und hatte keine Traute.

Im August 1977 landete ein Haufen junger französischer Austauschschüler an unserer Schule, und ich hatte mich angeboten, einen bei uns aufzunehmen. Der pennte dann auf dem zweiten Bett in meinem Zimmer, das mir ansonsten als Sofa diente. Er hatte zunächst eine ganze Menge rumzufrotzeln, als er in mein Reich kam, das über und über mit Elvis tapeziert war. Recht rasch verguckte er sich in meinen damaligen Schwarm Angela (was sie nicht beeindruckte) und wollte nun dauernd Elvis’ Song „Sweet Angeline“ hören.
Er wachte immer früher als ich auf und lauschte, um mich nicht zu stören, unter der Bettdecke am Taschenradio einem französischen Sender. Eines Morgens blieb er nicht unter der Decke, sprang wie ein Blitz hervor und schrie: „Gérard, Gérard, Elvis ist tot!!!“ Ich stand senkrecht im Bett. Vor Wut. „Ey, sag mal. Jetzt treibst Du es aber zu weit. Du tickst doch wohl nicht ganz richtig!“ Schäumend raste ich runter in die Küche, um mich abzuregen. Hier hatte meine Mutter das Radio laufen. Ich hörte „Don’t Cry Daddy“ und wusste Bescheid. Meine Welt brach zusammen.

Es folgte eine heftige Trauerphase, in der ich mich von Elvis’ Gospel-Songs trösten ließ. Rasch wurde mir zwar klar, dass sein Stern niemals untergehen wird, doch trauerte ich ein paar Jahre insbesondere über das Negativ-Image, das ihm nun angeheftet wurde. Schoss sich die Welt nun auf den angeblich so skurrilen Elvis ein?

Nachdem ich im Frühsommer 1977 erstmals Elvis-Songs auf einer Bühne anlässlich eines Talentwettbewerbs zum Besten gegeben hatte, setzte ich dieses nach seinem Ableben erst recht fort. Und ich stellte all die folgenden Jahre fest: Ungeachtet des Negativ-Images in den Medien fuhren die Menschen auf seine Musik weiterhin ab. Es machte Freude, von wildfremden Menschen zu hören, „Elvis lebt“ oder „Er wird immer der Größte bleiben“.

Zum 20. Todestag 1997 wollte ich ein Erinnerungskonzert geben in einer Location, in der sonst die lokalen Rock- und Bluesgrößen aufzutreten pflegten. Es war Hochsommer und brütend heiß. Einen Tag zuvor half ich einem Freund bei seinem Umzug. Und wenn ein Möbelstück besonders schwer war, wurde ein Elvis-Song angestimmt, und die Kräfte wuchsen. In der Nacht war es dann so schwül, dass an Schlaf kaum zu denken war. Also parkte ich den Ventilator neben dem Bett… und erwachte am Morgen des 16. August mit einer fetten Grippe. Kopfschmerzen, Kreislaufstörungen, total verschleimt und superheiser. „Das wird heute Abend nichts“, sagte meine Frau. Das kam mir auch so vor. Also rief ich einen Kollegen an und fragte ihn, ob er mich gegebenenfalls vertreten könne, denn die Elvis-Party dürfe zum 20. Todestag auf keinen Fall ausfallen. Er werde sich bereithalten, beruhigte er mich.

Der Abend nahte heran, mein Zustand besserte sich nicht, und wenn ich jemandem heiser was sagte, erntete ich bedauernde Blicke. Egal, wenigstens versuchen wollte ich es. Die Bühne war startklar, der Saal voll, und die Rock- und Bluesgrößen waren bereit, sich zu amüsieren. Ich schaute auf ein Elvis-Poster und raunte ihm zu: „Du wirst wohl helfen müssen. Ich mach das schließlich für Dich!“ Ich hatte kein Lampenfieber. Meine Vertretung stand bereit. Es ging nur um die Beantwortung der Frage „Geht’s oder geht’s nicht“. Ich schnappte das Mikrofon und war sicher, es würden mir nur klägliche Töne entweichen. Doch oh Wunder, es klappte. Und wie! Ich konnte es nicht fassen. Selten so gestaunt. Auch die Rock- und Bluesgrößen. „Elvis lebt“, rief das Publikum nachher im Chor. Natürlich musste ich am Ende wieder aufs Poster schauen und ihn dankbar angrinsen…

2001 endlich besuchte ich erstmals Memphis. Das war ein Riesenerlebnis. Ich traf Charlie Hodge, Jerry Schilling, Kathy Westmoreland, George Klein und viele andere. Lange sprach ich auch mit Richard Davis. Ich sagte ihm, wie blöd es eigentlich sei, diese Zerstrittenheit und dass sich die einen Memphis-Mafia-Leute als „The good guys“ in der einen Location treffen und die anderen als „The bad guys“ in einer anderen. Doch Richard Davis schaute mich ernst an und sagte: „Wer Elvis gekannt und wirklich gemocht hat, dem wird im Leben nicht einfallen, das Maul aufzumachen und was Beschädigendes verlauten zu lassen. Glaub ihnen [den ‚bad guys’] nichts!“

Gut 10 Jahre nutze ich nun das Internet. Dabei habe ich mit einer Menge Leute schnacken dürfen. Lustiges, Erbauliches, Informatives, Verbindendes und Trennendes. Ich habe dabei sehen können, dass Elvis durch das Internet weltweit eine unglaubliche Lebendigkeit erfährt, auch wenn es bisweilen mit einer ruppigen Streitkultur gepaart ist. „Elvis – King Of The Internet“ heißt mein Buch, das aus diesen Erfahrungen resultierte.

Und nun? Was macht Elvis nun? Ich denke, er betrachtet staunend die Flut der ständigen Neuveröffentlichungen seiner Songs und Filme, die nicht kleiner werdende Schar seiner Fans und freut sich nach seinem gerade erst gefeierten 75. Geburtstag schon auf das Jahr 2015, in dem sich die Welt zur Feier seines 80. Geburtstages rüsten wird. Und hört er jemanden „Elvis lebt“ rufen, wird er vielleicht sagen: „Hey, wie könnte es im Himmel auch anders sein?“
„Reverend“ Gerhard Schulz (Münster)








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