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INTERVIEWS

„Elvis war ein wahrer Gigant!“
(Interview mit Bobby Wood in Thousand Oaks/Tennessee, 13. August 2012)

Bobby Wood aus Nashville/Tennessee gehört als Pianist, Songwriter, Arrangeur und Produzent zu den erfolgreichsten und bedeutendsten Vertretern der amerikanischen Musikszene. In seiner über 50-jährigen Karriere arbeitete Wood für eine fast endlose Liste großer Stars, die von Elvis Presley über Johnny Cash und Neil Diamond bis Garth Brooks reicht. Ende der 60er und Anfang der 70er Jahre gehörte er zur Hausband des „American Sound Studio“ von Chips Moman in Memphis/Tennessee und leistete in dieser Funktion einen großen Beitrag zu Elvis’ 1969er Memphis-Sessions, aus denen mit „In The Ghetto“ und „Suspicious Minds“ zwei der größten Hits des King und mit „From Elvis In Memphis“ und „Elvis Back In Memphis“ zwei seiner besten Alben hervorgingen. Auch im Juli 1973 arbeitete Wood mit Elvis bei dessen Session im „Stax Studio“. Im August 2012 stellte Bobby Wood anlässlich der „Elvis Week“ zum 35. Todestag des King in Memphis seine Autobiografie „Walking Among Giants – From Elvis To Garth“ vor. Am gleichen Tag führte Peter Beines von „The King’s World“, der in dem Buch als einziger Europäer mit einer Grußbotschaft vertreten ist, mit dem großen Musiker das nachfolgende Interview.



Guten Abend Bobby! Es war wunderbar, Dich nach ein paar Jahren heute Nachmittag vor Graceland bei der Präsentation Deines Buches „Walking Among Giants“ wieder zu treffen. Ich würde gerne mit Dir über Deine Arbeit für Elvis und natürlich auch über das Buch sprechen.

Sehr gerne. Es war ein großer Tag für uns alle. Wir, also die „Memphis Boys“ (= „The American Sound Studio Band“, Anm. d. Redaktion), haben ja heute auch eine Auszeichnung auf der Beale Street erhalten, die „Beale Street Brass Note“. Das war eine große Ehre für uns.


Worum geht es in Deinem Buch „Walking Among Giants“?

Es ist ein Buch über mein Leben. Weißt Du, ich bin jetzt seit über 50 Jahren in der Musikszene. Ich stamme aus einer Musikerfamilie. Schon mein Großvater war Musiker und lehrte seine 10 Kinder, Lieder zu singen. Mein Vater übernahm das, und wir waren in meinen jungen Jahren sehr der Gospel-Musik verbunden. Dann tauchten Elvis Presley und Jerry Lee Lewis auf, und ich fing an, mich für Rock’n’Roll zu begeistern. Das Buch beginnt dort und reicht bis in die heutige Zeit. Es umspannt mehr als 50 Jahre, es ist meine Lebensgeschichte.


Würdest Du sagen, dass dabei Elvis Presley und Garth Brooks die bedeutendsten Künstler waren, für die Du gearbeitet hast?

Ja, und vor allem haben sie vieles gemeinsam. Beide waren bzw. sind sehr großzügig. Elvis hätte Dir sein letztes Hemd gegeben, und Garth ist genauso. Eines Abends habe ich zu Garth gesagt, dass er eine von zwei Personen ist, die über allen anderen stehen. Kurz darauf kam er zurück und fragte: „Wer ist diese andere Person?“ Ich antwortete: „Elvis Presley!“ Er strahlte und erwiderte: „Na, da bin ich ja in guter Gesellschaft!“


Lass uns ein wenig darüber sprechen, wie Du professionell zur Musik gekommen bist. Wie begann Deine Karriere?

Nun, ich habe 1959 die High-School abgeschlossen. Ich ging nach Memphis und lernte dort Stan Kesler kennen, der als Songwriter für „Sun Records“ arbeitete. Ich hatte meine erste Band, in der ich der Sänger war und zu der auch schon Gene Chrisman als Schlagzeuger gehörte, und Stan nahm uns unter seine Fittiche. Wir spielten bei Sam Phillips vor, aber der wollte keinen zweiten Jerry Lee Lewis. Doch Stan Kesler schrieb für uns „If I’m A Fool For Loving You“, und der Song wurde tatsächlich ein Hit. Gerade als es aufwärts ging, hatte ich auf Tournee einen schweren Autounfall, bei dem ich fast ums Leben gekommen wäre. Es dauerte eine ganze Weile, bis ich mich davon erholt hatte, und ich wusste danach nicht recht, wie es weitergehen sollte. Dann sprach mich Chips Moman an, der 1967 das „American Sound Studio“ in Memphis gegründet hatte. Er stellte eine Band zusammen, zu der bereits Reggie Young, Gene Chrisman, Tommy Cogbill, Bobby Emmons und Mike Leech gehörten. Er wollte mich auch dabei haben, und nach kurzem Zögern habe ich Ende 1967 zugesagt.


Kannst Du einige der herausragenden Sachen nennen, die – abgesehen von Elvis – dort entstanden sind?

Klar, „Sweet Caroline“ von Neil Diamond zum Beispiel. Dann „I Just Can’t Help Believin’“ von B. J. Thomas, „Son Of A Preacher Man“ von Dusty Springfield. Wir spielten für Wilson Pickett, Joe Tex, die „Box Tops“, die Liste ist sehr, sehr lang. Wir spielten ab Ende der 60er auf vielen großen Hits.


Wie war Deine Meinung über Elvis, bevor er 1969 zu Euch ins Studio ging?

Nun, weißt Du, ich hatte ihn viel früher schon mal getroffen. Das muss etwa 1955 gewesen sein. Ich sang mit meinem Vater und meiner Familie bei einem Gospel-Event in Memphis, und wir sollten auch einige Lieder bei „Sun Records“ aufnehmen. Dort sah ich ihn das erste Mal. Das zweite Mal war 1956 bei seinem Tupelo-Konzert, das ich besuchen konnte und wo ich es schaffte, kurz mit ihm zu sprechen. Ich schätzte ihn schon als Teenager sehr, und als er 1969 zu „American“ kam, war das natürlich etwas ganz Besonderes.


Elvis’ Karriere war Ende der 60er Jahre in einer kritischen Phase, ehe er das „NBC-TV-Special“ machte. Das, was er kurz darauf bei Euch im „American Sound Studio“ aufnahm, klang vollkommen anders als alles, was er jemals zuvor gemacht hatte. Woran lag das?

Elvis brauchte 1969 neue Hits. Wir hatten bei „American“ gerade 40 Hits am Stück geschafft, und wir fanden sehr schnell heraus, dass er wegen unseres Sounds zu uns gekommen war. Wir hatten immer das Ziel, das Optimum mit einem Song und einem Künstler zu erschaffen. Für die Session mit Elvis kamen seine Musikverleger mit einem Haufen von Liedern an, die der gleiche Kram waren, den Elvis in den Jahren zuvor gemacht hatte. Dazu hatten wir überhaupt keine Lust. Chips Moman hatte einige hervorragende Songwriter an der Hand wie Mark James, der „Suspicious Minds“ beisteuerte. Wir wollten also auch mit Elvis auf unsere Weise arbeiten, und er hat sich voll darauf eingelassen. Er fühlte sich wohl dabei. Er respektierte uns für unsere vorherige Arbeit, und natürlich respektierten wir ihn. Wir arbeiteten als Team, und das war der Schlüssel für das Ergebnis.


Das vielleicht Erstaunlichste an der Session war, dass sie kaum Rock-Songs hervorbrachte dafür aber eine Menge Rhythm’n’Blues, Soul, Country und kraftvolle Balladen. Was war der Grund dafür?

Wir hatten mit vielen Rhythm’n’Blues-Künstlern gearbeitet wie Wilson Pickett und Joe Tex. Auch Soul war sehr angesagt zu der Zeit, speziell in der Memphis-Gegend. Es war also eine ganz natürliche Sache. Und was den Rock’n’Roll und Elvis’ frühe Erfolge angeht: Warum sollte man die „Mona Lisa“ ein zweites Mal malen? Wir wollten unsere eigene „Mona Lisa“ erschaffen. Verstehst Du, was ich meine?


Oh ja, und das ist eine wunderbare Umschreibung Eurer Arbeit mit Elvis! Ein Song stach aus der Session sehr heraus, und das war „In The Ghetto“, weil wohl niemand erwartet hatte, dass Elvis ein solches Lied mit einer sozialen Botschaft singen würde. Hattest Du den Eindruck, dass Elvis unsicher war, ob er den Song aufnehmen sollte?

Die Bedenken kamen viel mehr von seiner Plattenfirma „RCA“ als von Elvis selbst. Seine Leute wollten nicht, dass er ein Lied über das Ghetto-Thema singt. Wir dagegen wussten, dass es ein sicherer Hit werden würde. Also hat Chips Moman mit „RCA“ gesprochen und klar gemacht, dass man mit dem Song morgen einen Hit mit einem anderen Künstler haben werde, wenn Elvis ihn nicht aufnimmt. Da haben sie nachgegeben, und der Rest ist Geschichte.


Ein weiterer Song aus der 1969er Session ist etwas Besonderes gewesen, nämlich „If I’m A Fool For Loving You“, das ja mal Dein Hit gewesen war.

Eines Abends hatte Elvis seinen Vater Vernon und auch Priscilla ins Studio mitgenommen. Vernons Lieblingslied war allen Ernstes mein „If I’m A Fool“, und Herr Presley, der mich nicht erkannte, freute sich sehr, völlig unerwartet den Sänger seines Lieblingsliedes kennenzulernen. Gegen Ende der Session hat Elvis dann den Song mit uns aufgenommen. Es war quasi ein Geschenk von Elvis an seinen Vater, so kam das! Ich hätte mir dabei übrigens gewünscht, dass wir noch mehr Zeit für ein ausgefeilteres Arrangement gehabt hätten. So aber wurde es eines der schlechteren Lieder der Session und endete auf einem dieser „Camden“-Billig-Alben von Elvis...


Nach der künstlerisch so gelungenen und ja auch kommerziell so erfolgreichen Session mit Euch ging Elvis nach Las Vegas, um wieder regelmäßig live aufzutreten. Hat Elvis Euch gefragt, ob Ihr auch dort mit ihm spielen wollt, was ja eine natürliche Überlegung gewesen wäre?

Ja, das hat er. Aber wir arbeiteten ja fast rund um die Uhr im Studio. Wir hatten einfach zu viel Arbeit dort, erst noch in Memphis und später in Nashville, als dass wir hätten zusagen können. Es ließ sich terminlich einfach nicht vereinbaren, und dazu arbeiteten wir auch lieber im Studio als live auf Tournee. Wenn Du etwas hast, das so gut läuft, gehst Du ungern weg davon.


Im Juli 1973 hast Du noch ein zweites Mal mit Elvis im Studio aufgenommen bei der Session im „Stax Studio“. Aus meiner Sicht war das Ergebnis auch dort gut, kam aber sicher nicht an das von „American“ 1969 heran. Wie beurteilst Du das?

1973 bei „Stax“ war alles völlig anders. Es waren viel mehr Menschen dort, und viel mehr Personen schienen Einfluss nehmen zu wollen und auch zu können. Das zu Verfügung stehende Song-Material war viel schlechter. Dazu schien es Elvis gesundheitlich nicht gut zu gehen. Das Ganze war mit den Bedingungen von 1969 überhaupt nicht zu vergleichen, und so hatten die Aufnahmen auch nicht die gleiche Qualität.


Zum Ende hin möchte ich eine Frage an Dich richten, die ich jedem Elvis-Weggefährten stelle. Wie hast Du von Elvis’ Tod erfahren, und wie war Deine Reaktion?

Im August 1977 arbeitete ich in Nashville an einem neuen Album mit Joe Tex. Als die Nachricht kam, war es völlig unerwartet. Wie bei einem Luftballon, aus dem urplötzlich die ganze Luft entweicht. Ich erinnere mich, dass Joe Tex hemmungslos weinte. Er beendete die Session und sagte, dass er jetzt unmöglich weitermachen könne.


Ich möchte zum Schluss noch mal kurz auf Dein Buch zu sprechen kommen. Das Cover-Bild ist eine feine Collage aus den größten Stars, mit denen Du gearbeitet hast, und einem Jungen, der am Klavier sitzt. Gewiss soll der Junge Dich darstellen...

Ja genau. Und weißt Du was? Tatsächlich ist der Junge auf dem Foto mein Enkel! Er sieht mir als Kind unwahrscheinlich ähnlich, was uns auf die Idee gebracht hat.


In kurzen Worten: Was war Elvis für Dich, für die Musik, für die Welt?

Ich sage es mit dem Titel meines Buches: Er war ein wahrer Gigant!


Dem ist nichts hinzuzufügen! Vielen herzlichen Dank für dieses Gespräch. Es ist immer eine Freude, Dich zu treffen!

Ganz meinerseits und grüße bitte Deine Leute in Deutschland von mir.




















Interview: Peter Beines, Fotos: Sandra Beines, Thomas Schwedtmann

Veröffentlichung, Weitererbreitung und/oder Abdruck, sei es vollständig oder in Teilen, nur mit ausdrücklicher schriftlicher Genehmigung von „The King’s World“.

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