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INTERVIEWS

„Als Entertainer gab es keinen Besseren als Elvis!“
(Interview mit Joe Guercio in Randers/Dänemark, 15. April 2012)

Joe Guercio, geboren in Buffalo/New York, gehört seit fast 50 Jahren zu den wichtigsten, renommiertesten und einflussreichsten Persönlichkeiten des amerikanischen Musikbusiness. Von August 1970 bis August 1977 agierte der Dirigent, Arrangeur und Pianist als Leiter von Elvis Presleys Orchester und war in dieser herausragenden Funktion nicht nur bei allen Live-Konzerten des King dabei, sondern prägte dessen bombastischen Sound der 70er Jahre nachhaltig. Im dänischen Randers sprach der Maestro mit Peter Beines von „The King’s World“ in einem exklusiven Interview ausführlich über seine Anfänge in der Musikszene, über die Arbeit mit Elvis und über heutige Elvis-Projekte.



Guten Morgen, Joe. Es ist eine Freude, Dich nach Deinem gestrigen Auftritt schon heute wiederzusehen!

Die Freude ist ganz auf meiner Seite.


Bevor wir über Elvis Presley sprechen, möchte ich gerne etwas über Deine Anfänge im Musik-Business erfahren. Dirigent wird man ja nicht einfach so. Wie bist Du zur Musik gekommen?

Ich bin als Kind einer italienischen Einwandererfamilie in Buffalo/New York aufgewachsen. In unserer Gegend lebten viele Italiener. Und weißt Du, Italiener sind sehr lebensfroh und musikalisch. Es ist ein Teil ihrer Kultur. Ich war also ständig von Musik umgeben, ich wuchs damit auf. Meine Schwester war Musiklehrerin. Es war also auch eine familiäre Sache, weißt Du.


Ich nehme an, dass Du später dann sicherlich Musik studiert hast.

Ja. Ich ging nach New Haven/Connecticut und studierte dort Klavierspiel, Dirigieren und Arrangieren. Leider kann ich nicht mehr Klavier spielen wegen meiner Arthritis.


Wer waren vor Elvis die ersten Künstler, mit denen Du gearbeitet hast?

Die erste überhaupt war die Sängerin Patti Paige. Mit ihr trat ich zum ersten Mal auch in Las Vegas auf. Mein Gott, wie lange das schon her ist! Ich habe mit vielen Künstlern gearbeitet, auch am Broadway in New York.


1970 wurdest Du dann der Dirigent des Orchesters von Elvis Presley. Wie kam es dazu?

Ich sollte schon 1969 musikalischer Direktor des neuen „International Hotel“ in Las Vegas werden. Nun hatte ich zu dieser Zeit einige Künstler, die ich musikalisch betreute, und diese hätte ich gerne mitgenommen. Das aber akzeptierte die Hotelleitung nicht, und so wurde zunächst nichts daraus.


Bob Morris bekam 1969 zunächst den Job.

Ja, richtig. Aber offenbar war Elvis mit dieser Lösung nicht glücklich. Jedenfalls rief mich Alex Shoofey, der General-Manager des „International Hotel“, 1970 an und bat um ein erneutes Treffen. Ich ging hin, und man signalisierte mir, dass man meine Bedingungen nun akzeptieren werde. Kurz darauf kontaktierte mich Tom Diskin, die rechte Hand von Elvis’ Manager ‚Colonel’ Parker, und sagte mir, dass er und der ‚Colonel’ mich gerne kennenlernen möchten und dass ich nach Los Angeles zu einem Treffen kommen solle. Beide erkundigten sich genau nach meiner bisherigen Arbeit. Was sie besonders interessierte, war die Tatsache, dass ich schon fürs Fernsehen gearbeitet hatte. Ich erfuhr kurze Zeit später, dass man bereits für den Dokumentarfilm „That’s The Way It Is“ plante, und meine TV-Erfahrung schien ihnen wichtig zu sein. Und so wurde ich Musik-Direktor des Hotels und Leiter von Elvis’ Orchester. Das erste Mal arbeiteten wir im August 1970 zusammen bei „That’s The Way It Is“.


Wie war Deine Meinung über Elvis gewesen, bevor Du anfingst, für ihn zu arbeiten?

Ich dachte, wir lebten in verschiedenen Welten. Er arbeitete mit einem Trio als Band, ich war ein Orchester-Mensch. Streicher und Bläser waren meine Welt. Wozu braucht man ein Orchester bei „Hound Dog“, fragte ich mich, hahaha! Aber weißt Du, Peter: Als ich das erste Mal seine Hand schüttelte, ... mein Gott, sein Charisma war einfach unglaublich! Während der Proben realisierte ich dann sofort, wie großartig er in Wirklichkeit singen konnte.


Das ist eine perfekte Überleitung zu meiner nächsten Frage: Wie würdest Du Elvis als Musiker und als Entertainer charakterisieren?

Als Musiker hatte er ein großartiges Gehör. Er hatte ein besonderes Gespür, das war einfach in ihm. Als Entertainer: Es gab keinen besseren! Wenn Elvis in einer Riesenhalle auftrat mit 20 000 oder 22 000 Menschen, wurden die Besucher in der letzten Reihe genauso gut unterhalten wie die in der ersten oder zweiten. Er hatte diese immense Reichweite, weißt Du. Das ist etwas, das nur sehr wenige haben.


Es muss auf der Bühne sehr schwierig gewesen sein, mit einem 30-köpfigen Orchester Elvis zu folgen. Ich meine, Elvis stand dort vorne, tat was er wollte, sprang überall herum, und meistens gab es noch nicht mal eine strikte Setlist.

Allerdings, es kam mir vor wie Dreharbeiten zu einem italienischen Film, hahaha! Ich erzähle Dir was: Nach den ersten zwei Konzert-Tagen mit Elvis sagte ich zu Joe Esposito, dass es leichter ist, einer Handvoll Murmeln zu folgen, die eine Treppe hinunter kullern, als Elvis auf der Bühne zu folgen. Am nächsten Abend kam ich in meine Garderobe, und der ganze Boden war übersät mit Murmeln! Auch in meinem Schrank und in meinen Sachen waren überall Murmeln. Und am Spiegel hing ein Zettel, auf dem stand: „Folge der Murmel, E. P.“


Hehehe, eine schöne Geschichte, von der ich schon gehört hatte. Aber es ist toll, sie persönlich aus Deinem Mund erzählt zu bekommen! Eines der wenigen Male, bei dem Ihr mit einer klar vereinbarten Setlist gearbeitet habt, war das TV-Konzert „Aloha From Hawaii“ 1973. Das Songprogramm war dabei sehr ungewöhnlich, weil es die meisten großen Hits von Elvis ausließ und überwiegend aus internationalen Evergreens bestand. Wer hatte diese Auswahl zusammengestellt? Hat man jemanden wie Dich zu Rate gezogen?

Nun, wir durften Vorschläge machen, aber Elvis traf die letzte Entscheidung. Soweit ich weiß, hatte Charlie Hodge einen starken Einfluss auf die Setlist beim „Aloha“-Konzert.


In einigen Fällen kam es vor, dass Elvis seine aktuellen Single-Veröffentlichungen nicht ins Konzertprogramm aufnahm und es dadurch doch eigentlich versäumte, diese Singles live zu promoten. Hast Du eine Erklärung dafür?

Welche Lieder meinst Du speziell?


Nun, „Raised On Rock“, „Bringing It Back“ und „Moody Blue“ wurden zum Beispiel kaum einmal oder sogar gar nicht gespielt.

Hmm, also „Moody Blue“ haben wir viele Male geprobt, allerdings immer ohne Elvis. Ich denke, Elvis machte das Songprogramm aus der Sicht eines Entertainers. Klar, jeder Künstler spielt live seine aktuellen Hits. Aber Elvis war auch da anders. Wenn er das Gefühl hatte, dass ein Lied kein geeignetes ‚Auftrittslied’ war, dann spielte er es nicht.


Wen kannst Du aus dem Orchester als Schlüsselfiguren für die Show benennen? Wer war besonders tragend?

Der Lead-Trompeter ist immer sehr wichtig. In den ersten Jahren war dies Pat Houston, später natürlich Walt Johnson. Dann Ron Feuer, der Keyboarder. Er war – und ist noch heute – das Bindeglied. Er hält quasi den ganzen Laden zusammen. Mit ihm arbeite ich schon seit mehr als 40 Jahren zusammen.


Wie sieht es mit Marty Harrel aus?

Oh ja, Marty! Der vielleicht beste Bass-Posaunist, den ich je hatte. Er spielte diesen starken Part bei „You’ve Lost That Lovin’ Feelin’“. Elvis liebte Martys Beitrag dort. Ich kann nur sagen, dass ich sehr glücklich bin, ein Teil von alledem gewesen zu sein.


Wie hast Du Elvis’ Tod im August 1977 erlebt, und was waren Deine Empfindungen?

Wie Du sicherlich weißt, sollten wir am 17. August 1977 eine neue Tournee beginnen, und wir waren am Tag davor schon auf dem Weg zum Eröffnungskonzert in Portland/Maine. Auf dem Flughafen von Las Vegas hatte ich das Orchester zusammengezogen und in das Flugzeug gesetzt, das mit Tom Diskin und Jackie Kahane aus Los Angeles gekommen war. Ich selbst wollte erst am folgenden Tag kurz vor dem Konzert nachkommen, da ich am Abend des 16. August noch die Eröffnungs-Show von Ann Margret in Vegas sehen wollte, die ich sehr schätzte und mit der ich auch schon gearbeitet hatte. Nachdem die Elvis-Truppe abgeflogen war, ging ich mit meiner Frau noch etwas einkaufen und hörte zwei Mädchen sagen, wie traurig es doch sei, was mit Elvis passiert ist. Ich fragte sie: „Was ist mit Elvis passiert?“ Sie antworteten: „Er ist vorhin tot aufgefunden worden.“ Peng! Das war die Killer-Nachricht schlechthin! Ich rang nach Fassung und versuchte dann, den ‚Colonel’ im Hotel in Portland zu erreichen, was auch gelang. Er bestätigte mir die Nachricht. Es war der Tag, an dem einfach alles endete...


Du hast dann auch an der Beerdigung teilgenommen.

Ja. Jackie Kahane sagte mir, dass er dorthin gehen würde, und fragte mich, ob ich mitkommen könne, was ich dann natürlich auch tat.


Was fühlst Du heute, 35 Jahre später, wenn Du wie gestern hier in Randers vor Hunderten von Elvis-Fans auftrittst oder während der letzten „ELVIS – The Concert“-Tournee sogar jeden Abend vor Tausenden von Fans?

Das ist wie ‚Twighlight Zone’. Du gehst 35 oder 40 Jahre zurück und arbeitest wieder mit allen Leuten von damals. So etwas gibt es normalerweise doch gar nicht! Ich erinnere mich an die Erstaufführung von „ELVIS – The Concert“ im Jahr 1997. Das war irre. Ich meine, manche von uns hatten sich seit damals nicht mehr gesehen. Jetzt kamen wir alle wieder zusammen und mussten fast lachen; die einen grau geworden, die anderen wie Bill Baize keine Haare mehr auf dem Kopf. Aber es funktionierte sofort wieder, wir waren ganz schnell wieder in der Sache drin, und es fühlte sich so an, als sei kein Tag vergangen.


Hast Du neue aktuelle Projekte für die Zukunft in Planung?

Zusammen mit Joe Moscheo und „Elvis’ Imperials“ plane ich eine Show, die Elvis’ Gospel-Musik in den Mittelpunkt stellt. Gospel bedeutete ihm so viel. Wir nennen es „The Gospel Side Of Elvis“.


Wird es eine Show werden, bei der die „Imperials“ singen und Du ein Orchester leitest?

Nicht notwendiger Weise. Ich denke mehr daran, als Produzent dieser Show zu fungieren.


Wir wünschen Dir viel Glück dabei und bedanken uns sehr für dieses hochinteressante Gespräch!

Ich danke Euch für Euer Interesse!






















































Interview: Peter Beines, Fotos: Sandra Beines, Archiv

Mit besonderem Dank an Henrik Knudsen.

Veröffentlichung, Weitererbreitung und/oder Abdruck, sei es vollständig oder in Teilen,
nur mit ausdrücklicher schriftlicher Genehmigung von „The King’s World“.


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