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INTERVIEWS

„Elvis suchte Herausforderungen und wuchs mit ihnen!“
(Interview mit Norbert Putnam in Memphis/Tennessee, 17. August 2012)

Das Aufnahmestudio war Zeit seines Lebens immer seine Passion: Der Bassgitarrist und Produzent Norbert Putnam ging hervor aus dem „Fame Studio“ in Muscle Shoals/Alabama, ehe er ab Mitte der 60er Jahre zu einem der meistgebuchten Musiker in der US-Musikhauptstadt Nashville/Tennessee wurde. Zwischen Juni 1970 und Dezember 1973 wirkte Putnam bei insgesamt fünf Studio-Sessions von Elvis mit und spielte dabei auf 122 Elvis-Songs den Bass. Live trat der Bassist hingegen so gut wie nie in Erscheinung, so dass seine heutige Teilnahme am Show-Projekt „Elvis Presley In Concert“ (ehem. „ELVIS – The Concert“) und an Fanclub-Tourneen mit Elvis’ „TCB Band“ eine ganz neue Erfahrung für ihn ist. Über all dieses sprach Norbert Putnam im August 2012 am Rande der „Elvis Week“ in Memphis mit Peter Beines von „The King’s World“.



Einen schönen guten Abend Norbert! Wir freuen uns sehr, dass Du Dir heute Abend noch Zeit für uns nimmst nach Deinem Interview-Marathon zuvor. Du bist ja unwahrscheinlich gefragt hier in den diesen Tagen...

Oh ja, das stimmt. Und ich kenne das ja so bislang gar nicht! Ich habe ja die meiste Zeit meiner Karriere im Studio verbracht, quasi im Verborgenen, wo einen viele Menschen gar nicht wahrnehmen. Umso mehr genieße ich, was jetzt alles passiert, und es ist sehr nett von Euch, dass Ihr so lange auf mich gewartet habt.


Das ist völlig selbstverständlich, und wir sind gespannt auf das Gespräch! Du hast es selbst erwähnt: Jahrzehntelang hast Du fast nur im Studio gearbeitet und nie live gespielt. Was ist das für eine Erfahrung für Dich, jetzt auf einmal bei großen Shows wie zum Beispiel „Elvis Presley In Concert“ vor Tausenden von Menschen live zu spielen?

Das ist unglaublich! Eine fantastische Erfahrung! Ich realisiere jetzt auf meine alten Tage, was ich früher vielleicht doch alles verpasst habe, so schön die Studio-Arbeit auch war. Aber andererseits bin ich auch sehr dankbar, dass ich dieses Erlebnis zumindest heute noch haben kann.


Du meinst, besser jetzt als nie, richtig?!

Hahaha, ja genau so!


Okay, lass uns mal auf Deine Anfänge zurückblicken. Du stammst aus Alabama und hast dort mit der Musik begonnen, nicht wahr?

Ja, das ist richtig. Ich bin in der Gegend von Muscle Shoals im Norden Alabamas aufgewachsen. Als ich fünfzehn war, stellten ein paar Jungs aus der Nachbarschaft eine Band zusammen, mit der sie Elvis-Songs nachspielen wollten. Mein Vater hatte als junger Mann gelernt, Schlagbass zu spielen, und wir hatten ein solches Instrument zuhause. Also meinten die Jungs, ich solle in der Band den Bass spielen, da sonst niemand einen Bass hatte. Ich sagte, dass ich aber keine Ahnung habe, wie man Bass spielt. Aber die Jungs und auch mein Vater meinten, dass man das leicht lernen könne, besonders weil die Elvis-Rock’n’Roll-Songs recht einfach aufgebaut seien. Also zeigte mein Vater mir etwas vom Bassspielen, und jeden Tag, wenn ich aus der Schule heimgekommen war, setzte ich mich hin, legte meine Elvis-Singles auf und versuchte, den Bass-Part nachzuspielen. So habe ich jeden Tag von nachmittags bis spätabends geübt und mich dort reingefunden.


Und so wurdest Du Bassist in einer Elvis-Cover-Band...

Ja, so fing es an. Wir haben mit der Band überall in der Umgebung bei Schulfesten und Partys gespielt, und die anderen Kids liebten unsere Musik. Das ging so, bis wir aus der High-School kamen. Und weißt Du, die anderen Jungs aus der Band waren alle auch Leute, die so wie ich dann erfolgreiche Profi-Musiker wurden und auch mit Elvis spielten: Jerry Carrigan spielte Schlagzeug und David Briggs Piano.


Oh, okay! Ich weiß, dass Jerry, David und Du aus derselben Gegend kommen und dass Ihr diese gemeinsamen Wurzeln habt. Ich wusste aber nicht, dass Ihr so früh schon zusammen gespielt habt.

Ja, das hatte schon in der High-School begonnen. Nach der Schulzeit gingen wir aufs College, als in Muscle Shoals ein neues Studio aufmachte. Einer der ersten Künstler, der dort aufnahm, war der Singer/Songwriter Arthur Alexander. Man wollte Jerry Carrigan, David Briggs und mich als Musiker haben. Wir waren 19 Jahre alt und hatten von Studio-Arbeit keine Vorstellung. Wir brauchten für manche Songs 30 oder 40 Takes, denn wir mussten lernen, bei der Bandaufnahme eines Liedes sorgfältig zu spielen. Aber es klappte dann, und die Aufnahmen mit Arthur Alexander wurden Hits. Als nächstes kam Tommy Roe, und auch mit ihm nahmen wir Hits auf. So wurde die Arbeit in dem Studio immer erfolgreicher und bekannter.


Wir sprechen über das „Fame Studio“, richtig?

Ja, richtig.


Bald hat es Dich aber aus Muscle Shoals weggezogen. Wie kam das?

Nun, viele unserer Kunden im „Fame Studio“ kamen aus Nashville. Einer davon war Felton Jarvis, der spätere Elvis-Produzent. Felton ermutigte uns, nach Nashville zu kommen. Dort konnte man viel mehr Geld verdienen als in Muscle Shoals. Also haben wir den Schritt gewagt und sind 1965 nach Nashville gegangen. Auch dort waren wir sehr erfolgreich. Wir haben mit Roy Orbison aufgenommen, mit J. J. Cale, mit Linda Ronstadt und mit Tony Joe White. Der Bass-Part bei dessen Original von „Polk Salad Annie“ war von mir. Fünf Jahre nach meinem Start in Nashville kam dann der Ruf von Elvis. Das war 1970.


Elvis hatte im Jahr davor im Memphis beim „American Sound Studio“ aufgenommen. Jetzt ging er mit Felton Jarvis wieder nach Nashville.

Ja. Ich denke, er hatte sich bei „American“ wohl gefühlt, aber mein Eindruck war, dass er schneller und direkter Songs aufnehmen wollte, als er es dort konnte. Weißt Du, Elvis mochte es, gut vorbereitet ins Studio zu kommen und dann einen ‚Lauf’ zu haben. Er wollte einen Song schnell im Kasten haben, nach vielleicht drei, vier, fünf Takes. Und dann in einer Nacht eine ganze Reihe von Songs fertig bekommen. Dafür bat er Felton Jarvis, eine junge neue Band in Nashville um den Leadgitarristen James Burton zusammenzustellen, der ja auch der Leader in seiner Live-Band war. Und so holte Felton eben Jerry Carrigan, David Briggs und mich.


Erzähl doch mal von Deiner ersten Begegnung mit Elvis. Immerhin warst Du als Schüler sein Fan gewesen und hattest seine frühen Songs nachgespielt.

Mann, das war vielleicht was! Es war im Juni 1970. Die erste Session mit Elvis. Er kam herein und trug ein Cape, und er hielt einen Spazierstock in der Hand, der einen Löwenkopf mit Rubinen als Augen hatte. Er nahm das Cape von den Schultern und warf es beiseite. Ein Auftritt wie ein König! Dann setzten wir uns zusammen und redeten. Elvis erzählte uns Geschichten aus dem vorhergehenden Jahr, in dem ja viel für ihn passiert war. Er hatte einen unglaublichen Humor, und was er erzählte und wie er es erzählte, war total unterhaltsam. Das ging zwei Stunden lang so, bis Felton Jarvis ihn ermahnte, dass man langsam mal ans Arbeiten kommen müsse.


Was dann ja auch sehr effizient geschah...

In der Tat! Wir haben in vier oder fünf Tagen 35 oder 36 Songs aufgenommen.


Du hattest viele Vergleichsmöglichkeiten zu anderen Künstlern. Wie war Dein Eindruck von Elvis als Künstler?

Ich bewunderte seine Stimme! Er konnte mit seiner Stimme so vielfältig klingen. Bei den meisten Sängern ist der Klang immer gleich, egal welchen Song sie aufnehmen. Elvis aber hatte dieses unglaubliche Stimmvolumen. Er war ein tiefer Bariton, aber zugleich schaffte er mit seiner Stimme unfassbare Höhen.


Hatte Elvis konkrete Vorstellungen, wie Ihr als Begleitband spielen solltet? Gab er Euch Instruktionen?

Er hatte gewiss seine Vorstellungen und hat manche Wünsche auch geäußert. Aber er ist niemals zu mir oder einem anderen Musiker gegangen und hat gesagt: „Das gefällt mir so nicht. Spiel das so und so.“ Er war immer sehr respektvoll und schien unsere Arbeit so zu mögen, wie wir sie machten.


Soweit ich weiß, waren zwar viele aber nicht alle Songs bei den Sessions geplant. Wie war das, wenn Lieder spontan entstanden?

Das stimmt. Die zweite ganz große Stärke von Elvis war seine natürliche Spontaneität. Ich erinnere mich an „Promised Land“, das Ende 1973 bei „Stax“ entstand. Der Song war gar nicht geplant. Es kam öfter vor, dass Elvis einen Song erwähnte, mit uns darüber sprach, die Tonart festlegte und sagte: „Okay, lass das Band laufen.“ Und so hatten wir „Promised Land“ in zwei oder drei Takes. Und er sang großartig dabei, und die Band spielte großartig.


Schön, dass Du das erwähnst. Für mich ist „Promised Land“ einer der besten Rock-Songs, den Elvis je aufgenommen hat.

Genau das denke ich auch! Und es gibt noch etwas, das Elvis so besonders machte: Er suchte Herausforderungen und wuchs mit ihnen. Ein gutes Beispiel ist „Bridge Over Troubled Water“, dieser wunderbare Song von Simon & Garfunkel. Er wollte unbedingt besser sein als sie und hat alles von sich dabei gegeben. Andererseits ließ er manche Sachen aber auch aus, wenn er bei einem Cover-Song glaubte, das Original nicht übertreffen zu können. Deshalb hat er zum Beispiel nie Roy Orbison-Songs aufnehmen wollen.


Das ist hochinteressant! Norbert, ich möchte Dich gerne etwas sehr Spezielles fragen. Als Elvis 1971 „Merry Christmas Baby“ aufnahm, sprach er Dich mitten im Song an, indem er rief „Wake up, Put!“ (dt. „Wach auf, Put!“). Was war da passiert?

Hahaha, ja klar, ich erzähle es Dir: Die meisten Künstler nahmen tagsüber im Studio auf, während Elvis am liebsten nachts arbeitete. An dem Tag hatte ich morgens schon ab 10.00 Uhr eine Session gehabt und am Nachmittag ab 14.00 Uhr eine zweite. Abends kam dann noch Elvis, und das ging dann bis 4.00 Uhr in der Nacht. Ich war total übermüdet, und „Merry Christmas Baby“ war ein langsamer Blues, den wir als Jam fünf Minuten lang oder so spielten...


Tatsächlich waren es sogar über acht Minuten!

Oh, wirklich?! Okay, jedenfalls fielen mir fast die Augen zu! Aber weißt Du was: Als Elvis zu mir rüber rief, ich solle aufwachen, lachte er dabei! Er meinte das nicht böse. Und mit James und anderen sprach er während der Aufnahme ja auch. Ich hatte natürlich nur nie geglaubt, dass sie das genauso auf Platte bringen würden. Himmel, es war das einzige Mal, dass eine Ansage von Elvis an mich aufgenommen wurde, und das war dann so eine. Ich könnte sie umlegen dafür, hahaha!


Hat man Dir jemals angeboten, auch live mit Elvis zu spielen? Er hatte natürlich Jerry Scheff als seinen regulären Konzert-Bassisten, aber 1973 war Jerry ja für einige Zeit ausgestiegen, und es kam zuerst Emory Gordy hinein und später Duke Bardwell.

Tatsächlich hatte Elvis schon während der ersten Session mit uns im Juni 1970 die Idee, uns mit nach Las Vegas und auf Tournee zu nehmen. Charlie McCoy, der als Mundharmonika-Spieler auch bei der Session dabei war, antwortete, dass wir das in Erwägung ziehen werden, wenn man uns das Gleiche bezahlen werde, was wir im Studio verdienten. Elvis sagte, er werde das mit seinem Manager besprechen. Einen Monat später rief ‚Colonel’ Parker bei Charlie McCoy an und bot 350,- Dollar Wochenlohn für Las Vegas. Weißt Du, wir haben damals 1500,- bis 2000,- Dollar pro Woche mit der Studio-Arbeit verdient. Charlie lehnte dankend ab...


Das ist völlig verständlich.

Aber ganz ehrlich, selbst wenn man uns 2000,- Dollar geboten hätte, weiß ich nicht, ob ich angenommen hätte. Ich war total etabliert in der Szene in Nashville, es war eine sichere dauerhafte Sache, die ich nicht so ohne Weiteres aufgegeben hätte. Aber wir haben auch danach weiter mit Elvis aufgenommen, und ich denke, er liebte es, mit uns zu arbeiten.


Eines Tages kam dann die furchtbare Nachricht, dass Elvis gestorben war. Wo und wie hast Du davon erfahren, und wie war Deine Reaktion?

Ich war zu der Zeit mit meinen Kindern auf Hawaii im Urlaub. An dem Tag fuhr ich zum Einkaufen in einen Supermarkt. Im Auto stellte ich das Radio an, und sie spielten einen der frühen Elvis-Songs. Ich glaube, es war „Don’t Be Cruel“. Ich lächelte verwundert, denn zu dieser Zeit wurde Elvis im Radio in Amerika nur noch sehr selten gespielt. Ich fuhr los, und es folgte direkt ein weiterer Elvis-Song. Ich dachte: „Mensch, wer ist denn dieser Discjockey auf Hawaii, der Elvis so mag?!“ Am Supermarkt angekommen stellte ich das Auto ab, ging in den Laden, holte ein paar Sachen und stellte mich in die Schlange an der einzigen offenen Kasse. Vor mir stand ein junger Mann mit Rucksack, so ein Strand-Hippie, weißt Du. Als er an die Reihe kam, beugte er sich zum Kassierer und sagte: „Hey, hast Du das vom alten Presley gehört? Er hat’s hinter sich!“ Ich war wie vom Donner gerührt. Ich rannte zum Auto zurück und stellte das Radio wieder an. Da kam die Meldung: „Elvis Presley ist heute im Badezimmer seines Hauses in Memphis tot aufgefunden worden!“ Ich saß da in meinem Auto, und Tränen liefen über mein Gesicht. Es war unfassbar für mich. Ich hatte mir nie vorstellen können, dass er stirbt. Ich wusste, dass er Übergewicht hatte, aber ich hätte nie gedacht, dass sein Herz einfach aufhören würde zu schlagen. Und es ist noch immer kaum zu glauben für mich.


Und heute, 35 Jahre später, spielst Du live mit Elvis auf der großen Leinwand!

Oh ja! Warst Du bei dem Konzert gestern Abend im „FedEx Forum“?


Ja natürlich. Wir hätten es um nichts auf der Welt verpasst!

Elvis war wie lebendig dort, oder?! Er ist nicht wirklich tot, er lebt auf diese Weise weiter.


Da stimme ich Dir vollkommen zu. Ich habe „ELVIS – The Concert“ oder „Elvis Presley In Concert“, wie sie es heute nennen, zum ersten Mal 1999 in Deutschland erlebt und seitdem ungefähr 25 Mal gesehen. Für mich ist es die Erfüllung des unmöglichen Traumes, denn als Elvis starb, war ich erst vierzehn, und ich hatte nie die Chance gehabt, ihn live zu erleben.

Das ist wunderbar. Und was meinst Du: Gibt nicht ein solches Konzert mit all den Elvis-Musikern von damals den Menschen viel mehr als jedes komische Buch von Leuten, die Elvis nie gesehen haben?


Allerdings! Norbert, es war ein großartiges Gespräch mit Dir, und wir danken Dir sehr herzlich für Deine Erinnerungen und Sichtweisen!

Ich habe Dir zu danken! Elvis Presley ist der Gipfel der Berges. Er war und ist der King!























































Interview: Peter Beines, Fotos: Sandra Beines, Thomas Schwedtmann, Archiv

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